Das
mit seinen Aufständen berühmte Sasun war nach der
damaligen Zivilorganisation ein Kreis mit mehr als 100 Dörfern,
bezüglich der administrativen und rechtlichen Angelegenheiten,
zu Siirt zugehörig und lag 14 Stunden von Mus entfernt.
In der Nähe lagen die Kreise Mutki und Garzan. Auf Grund
der gebirgigen steilen Lage war dieser Ort abgelegen vom Einfluss
der Regierung. Das Volk sprach eine gemischte Sprache zwischen
Zaza und kurdisch, obwohl sich unter den Einwohnern auch Armenier
befanden. Es wurde hier keine Volkszählung durchgeführt,
man vermutet aber, dass die damaligen Einwohner zu 1/5 aus
Armeniern und der Rest aus Kurden bestanden.
Um
1890 hielt sich hier ein Armenier mit dem Namen Mihran Damadyan
ungefähr drei Jahre auf und versuchte im Namen der Hintschak
Porpagandas zu verbreiten und die Armenier somit zum Aufstand
zu provozieren. Auf die Anzeige der Sasun Armenier wurde Damadyan
im Jahre 1893 festgenommen und zur Verurteilung nach Istanbul
geführt, und anschließend wieder freigelassen.
Der
Sasun-Aufstand wurde seitens des Hintschak - Kommitees nur
aus dem Grund organisiert, um den Eingriff der fremden Länder
zu gewährleisten und wurde dann mit einem, seitens Murad
(Kamparsun Boyaciyan) durchgeführten Plan verwirklicht.
Murad
ging über den Kaukasus nach Sasun und brachte der Taschnaksutyun
Organisation Unterstützung und Hilfe. Nach seinem Eintreffen
in Sasun hat er einige Armenier um sich gesammelt und Pläne
für den Aufstand ausgearbeitet. Der nur aus dem Grund,
den Rückzug der fremden Eingriffe zu verhindern durchgeführter
Aufstand wurde mittels, der armenischen Kommiteen und des
Patriarchats überall veröffentlicht. In verschiedenen
Hauptstädten Europas wurden zugunsten der Armenier Veröffentlichungen
organisiert. Überall wurde von der Verantwortung, die
England mit der Zypern-Abmachung übernommen hatte, berichtet.
Hollward,
der Konsul von England in Van wollte zu Untersuchungszwecken
nach Sasun reisen, doch da die Regierung Hollward, als den
Provozierer des Aufstandes ansah, wurde diese Reise nicht
genehmigt. Nach langen Besprechungen wurde beschlossen, dass
die Konsule derjenigen Länder, die in Erzurum ein Konsulat
hatten also Frankreich, England und Russland, in diese Kommission
aufgenommen. Die Kommission führte vom 4. Januar 1895,
bis zum 21. Juli, eine 6 monatige Untersuchung durch, es wurden
108 Versammlungen veranstaltet, und mehr als 190 Zeugen verhört.
Ömer Bey, wurde zum stellvetretenden Gouverneur von Bitlis
ernannt und musste aus diesem Grund aus der Kommission heraustreten.
Am 23. August wurde Murad, als der Führer des Aufstandes
verhaftet.
Die
Armenier hatten vom Aufstand in Sasun großen Hoffnungen
erwartet. Nach den Armeniern würde Europa bei einem Aufstand
in Sasun direkt eingreifen, die Forderungen der Armenier erfüllen
und durch diesen Aufstand, sollten großer Nutzen gezogen
werden.
Die
Hintschak haben zum Zweck der Weiterführung des Aufstandes
in Istanbul und in den anderen Provinzen, mit dem Stempel
des Kommitees bestätigte Hilfskarten verkauft, und somit
eine große Menge Geld eingesammelt.
Die
amerikanische Zeitung New- York Herald hat den Vorfall in
ihrem veröffentlichten Artikel folgendermaßen vorgelegt:
"Die
europäische Untersuchung hat gezeigt, dass die Armenier
zusammen mit den fremden Povozierenden einen Aufstand erzeugt
haben. Die Rebellen haben mit modernen Waffen aus England
Unterstützung geleistet, nach Brandanschlägen, Morden,
Ausbeutereien und Widerstand gegen die Soldaten haben sie
sich in die Berge zurückgezogen. Das Untersuchungskommitee
hat festgestellt, dass die Osmanische Regierung mit der Widerstandsleistung
gegen die Rebellen, von ihrem, gesetzlich zustehenden Recht
Gebrauch gemacht hat. Die Soldaten waren in der Lage, nach
blutigen Auseinandersetzungen die Rebellen zu besiegen. Die
ca. 3000 bewaffnete Rebellen flüchteten sofort in die
unüberwindbaren Berge. Mit glaubhaften Worten und Zeitungsartikeln
kann ihnen kein Recht zugeteilt werden.
3000
Armenier versammelten sich auf dem Anduk-Berg. Sie beabsichtigten,
die Ortschaft Mus zu erobern. Zu diesem Zweck griffen sie
den Volksstamm Delican, im Süden von Mus an. Einen Teil
von ihnen brachten sie um, und nahmen ihnen ihre Sachen weg.
Die religiösen Glauben, der in Gefangenschaft genommenen
Moslems wurde erniedrigt, sie wurden in unglaublichen Weisen
ermordet. Diese Rebellen griffen die Soldaten in der Nähe
von Mus an, konnten jedoch auf Grund der starken Militärmacht
die Ortschaft Mus nicht erobern.
Die
Rebellen vereinigten sich mit denjenigen Gruppen, die sich
in den Anduk Bergen aufhielten. Diese führten furchtbare
Morde und Plünderein aus. Sie verbrannten den Neffen
des Ömer Agas und vergewaltigten die moslemischen Frauen.
Zahlreichen
Moslems wurden die Augen ausgebohrt, ihre Ohren abgeschnitten,
sie wurden erniedrigt und zur Anerkennung des Christentums
gezwungen.
Gegen
Ende August griffen die Armenier die Kurden in der Umgebung
von Mus an und brannten zusammen mit Güllü-Güzat
2 - 3 Dörfer nieder. 300 Armenier sorgten in Talori für
Unruhen und lehnten es ab, ihre Waffen niederzulegen. Sie
mordeten und plünderten weiter. Aus diesem Grund wurden
die Militärkräfte dieser Regionen verstärkt.
Der
Rebell Hamparsum flüchtete zusammen mit 11 seiner Männer
auf einen hohen Berg. Er wurde lebend gefasst, tötete
dabei jedoch zwei Soldaten und verletzte 6 von ihnen. Gegen
Ende August hatten sich alle Gruppen aufgelöst.
Die
Türken behandelten die Frauen, Kinder, Ältere und
Behinderte nach islamischen und menschlichen Regeln. Die,
ums Leben gekommenen Rebellen waren diejenigen, die sich nicht
ergaben und weiterhin gegen die gesetzliche Herrschaft des
Landes antraten.