VERLUSTE
DER ARMENIER
Die
Zahl der umgesiedelten Bevölkerung beträgt 438.758.
Die Zahl der Bevölkerung, die die neuen Siedlungsgebiete
erreichte, liegt dagegen bei 382.148, einschließlich
der Armenier in Aleppo. (30) Zwischen beiden Zahlen
besteht ein Unterschied in Höhe von 56.610.
Dieser
Unterschied in Höhe von 56.610 Personen, trat nach Dokumenten,
wie folgend auf. 500 Menschen wurden zwischen Erzurum und
Erzincan, 2.000 in Meskene, zwischen Urfa und Aleppo, 2.000
Personen nahe Mardin bei Angriffen der Banditen und arabischen
Stämme getötet. Rund 5.000 oder etwas mehr Menschen
wurde bei Angriffen im Gebiet Dersim getötet. (31)
Im Rahmen dieser Informationen wurden während der Umsiedlung
9 bis 10 Tausend Menschen getötet. Aus Dokumenten ist
ferner zu entnehmen, dass manche verhungert sind. (32)
Außerdem kamen 25 bis 30 Tausend Menschen wegen Epidemien
wie Typhus oder Dysenterie, sowie klimatischer Bedingungen
ums Leben. (33) Rund 40 Tausend Menschen starben aus
diesen Gründen.
Der
Rest von 10 bis 16 Tausend Personen konnte das Endziel nicht
erreichen, da sie nach der Einstellung der Umsiedlung in den
Provinzen aufgehalten wurden, in denen sie sich zu diesem
Zeitpunkt befanden. Zum Beispiel wurde am 26. April 1916 an
die Präfektur von Konya ein Schreiben entsandt, worin
die Ansiedlung der Armenier in diesem Gebiet angeordnet wurde,
welche sich noch auf dem Weg befanden. (34) Außerdem
wurde vermutlich ein Teil der Armenier während der Umsiedlung
nach Russland, in westliche Staaten und nach Amerika entführt.
Einträge
belegen, dass 50.000 Armenier aus der osmanischen Armee während
der Umsiedlung zu der russischen Armee übergegangen sind.
50.000 Armenier seien drei bis vier Jahre in der amerikanischen
Armee für den Kampf gegen die Türken ausgebildet
worden. Ein Schreiben des in Amerika lebenden Armeniers an
den Anwalt Murad Muradyan in Elazig umfasst diese Informationen
(35). Im Schreiben heißt es, ein Teil der Armenier
sei nach Russland und Amerika entführt worden. Die in
Amerika ausgebildeten 50.000 Soldaten würden in Richtung
Kaukasien starten. Wie aus all diesen Dokumenten und Informationen
zu entnehmen ist, reisten mehrere armenische Staatsbürger
des Osmanischen Reiches, vor dem Krieg oder während des
Krieges nach Amerika, Russland und in andere Länder.
Der armenische Geschäftsmann Artin Hotomyan teilte in
seinem Schreiben vom 19. Januar 1915 aus Amerika an das osmanische
Polizeipräsidium mit, dass mehrere Tausend Armenier nach
Amerika verschleppt worden sind, die in Armut und Hunger lebten
(36).
Diese
Informationen zeigen, dss die Zahl der in verschiedenen Teilen
des Osmanischen Reiches lebenden Armenier, mit der Zahl der
Armenier in den neuen Siedlungsgebieten übereinstimmt
und dass es während der Führung und Ansiedlung zu
keinem Massaker gekommen ist.
Quelle:
Halacoglu,
Yusuf: Ermeni Tehcirine Dair Gercekler (1915), TTK Veröffentlichung,
Ankara, 2001.
FUSSNOTE
30)
Obwohl über die Zahl der umgesiedelten und die Zahl der
in den neuen Gebieten angekommenen Armenier genaue Zahlen
in den Dokumenten angegeben worden sind, gibt es auch Orte,
wo keine genauen Zahlen angegeben sind. Aus diesem Grund gilt
für die Zahl ein +/- von 10 Prozent.
31)
Zum Beispiel wurden die Verwaltungen in Trabzon, Erzurum,
Sivas, Diyarbakir, Mamuretülaziz, Bitlis, Maras und Canik
am 26. Juli 1915 in einem chiffrierten Telegramm aufgefordert,
die Zahl der seit Ausbruch des Krieges wegen Krankheiten und
Aufständen ums Leben gekommenen Armenier anzugeben. (Sifre
Kalemi- Nr. 54- A 7 112 ). Außerdem waren unter den
armenischen Umsiedlern in Eregli und Mousul Seuchen, wie Typhus,
Dysenterie und Malaria weit verbreitet. ( Telegramm an die
Provinz Konya vom 8. Juli 1915, Sifre Kalemi- Nr. 57/337 ,
an die Verwaltung in Zor vom 3. Februar 1916, Sifre-Nr. 60/219).
32)
Sifre-Nr. 57/110.
33)
Siehe DH. EUM. 2. Sube- Nr. 68/81, siehe auch Sifre- Nr. 57/51.
34)
Sifre-Nr. 63/119.
35)
DH. EUM. 2. Sube- Nr. 2F/14.
36)
siehe DH. EUM. 2. Sube- Nr. 2F/94.
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