DIKRAN
KEVORKAN
(Vorsitzender
der armenischen Kirche in Kandilli)
Der
Vorsitzende der armenischen Kirche in Kandilli, Dikran Kevorkan
hat an dem TV Programm "Ceviz Kabugu" teilgenommen
und folgendes gesagt:
"Völkermord
und Umsiedelung (von einem Ort zum anderen bringen) haben
verschiedene Bedeutungen. Die Spiele der Imperialisten, die
apolitischen Traumführer der armenischen Leiter (Medien,
Kirchen, Geistliche) sind schuld an diesen Ereignissen. Der
Patriarch ist ein geistlicher Führer. Es wird ein Fehler
begannen, indem man in politischen Angelegenheiten die Ansichten
eines Patriarchen erfragt. Was hätten ASALA und PKK unternehmen
können, wenn die imperialistischen Mächte nicht
hinter ihnen gestanden wären?
Bei
der Umsiedelungsangelegenheit hat Deutschland Druck auf Istanbul
ausgeübt. Ziel war es, die ansässige Ordnung in
Deutschland zu erschüttern und zum Thema der Eisenbahn
von Bagdad sich wirtschaftliche Vorteile zu sichern. Warum
kam die Armenier-Frage zu Lebzeiten von Atatürk nicht
an die Tagesordnung? Denn damals war die nationale Seele vorhanden,
es wurde zusammengehalten. Meiner Meinung nach kann man im
gegenwärtigen Staatssystem von Vernachlässigung
reden.
Zum
Thema Assimilation kann ich sagen: Armenier können heute
auf der Welt ihre eigene Idenität am besten in der Türkei
ausleben. Der Armenier in der Diaspora im Ausland führt
seinen Kampf fort, indem er seinen Namen ändert. Denn
dort wird mit einer Kulturlast die Kultur dieser Menschen
aufgelöst.
Die
Armenier der Diaspora, die sich gegen die Türkei aussprechen,
wissen genau, dass in bestimmten Kirchen in Amerika der Opfergottesdienst
Sonntags und auf Englisch abgehalten wird. Die Armenier verlieren
ihre Muttersprache. Doch wenn du das zur Sprache bringst,
missfällst du jedem. Wir als armenische Staatsbürger
in der Türkei bringen deshalb unser Bedauern zum Ausdruck.
Warum? Es wird gegenüber der von Atatürk anvertrauten
Seele der Nationalen Streitkräfte ein Unrecht verübt.
Dies, sind die Spiele der Ausländer. PKK, ASALA und diese
Verordnung, all, das sind Spiele der Ausländer. Wir als
Staatsangehörige in der Türkei sind der Ansicht,
dass der Türkei ein Unrecht begangen wurde. Armenier
sollten so klug sein und sich nicht ausnutzen lassen."
MESROB II.
(Armenischer
Patriarch)
Im
Oktober 2000 nahm der armenische Patriarch Mesrob II. An einem
Programm des Fernsehsenders CNN-Türk teil. Ein Zuschauer
Namens Henika Kiremitci stellte ihm die Frage: "Ich frage
mich, was aus uns in der Türkei lebenden Armenier, also
aus der Minderheit werden soll. Wir sind beunruhigt."
Daraufhin antwortete er:
MESROB
II. - Ehrlich gesagt, wenn ich den Puls der Kirchenmitglieder
in Istanbul fühle, merke ich eine Beunruhigung. Aber
wenn Sie erlauben, möchte ich von hier allen Armeniern
und Kirchenmitgliedern in der Türkei mitteilen, es gibt
überhaupt keinen Grund zur Beunruhigung. Bitte vertraut
dem gesunden Menschenverstand unserer Landsleute in der Türkei
und vor allen Dingen unserer Regierung. Es gibt keinen Grund
für eine Beunruhigung. Denn Sie haben mit diesen Entwürfen
und Tätigkeiten überhaupt nichts zu tun.
MESROB II.
(Armenischer
Patriarch)
Während
des Gottesdienstes vom 22. August in der Surp Krikor Lusavoric
Kirche in Proti, bei dem auch der armenische Patriarch Mesrob
II. als Vorsitzender anwesend war, predigte Hayr Sahak Apega
von Surp Badarak zusammengefasst folgendes:
DER
ERSTE TEIL DER PREDIGT
In
Jerusalem gab es einen heiligen Brunnen der Siloam genannt
wurde. Zur Zeit von Rab Hisus sagten die Stadtbewohner, dass
das Wasser des Brunnens manchmal plötzlich wellen trieb.
Der Glaube, dass derjenige, der in diesem Moment ins Wasser
springt, von seinen Krankheiten geheilt wird. Hunderte von
Kranken warteten am Rande des Brunnens und beteten. Einmal
kippte eine der großen Säule am Rande des Brunnens
um. 18 Menschen, die am Rande des Brunnens standen, kamen
ums Leben, sie wurden unter der Säule erdrückt.
Dieses Ereignis ist im 13 Kapitel der Lukas- Bibel registriert.
Rab
Hisus hat seine Schüler an dieses Unglück erinnert
und gefragt, ob diese 18 Opfer noch sündiger seien, als
die anderen Mitglieder der Gemeinde. Als er keine Antwort
bekam, sagte er "Nein!". Denn Menschen sterben nicht
nur infolge ihrer eigenen Fehlern oder Sünden, sondern
auch aus anderen Gründen. Das eigentliche Thema ist:
Naturkatastrophen oder auch andere Gründe, der Mensch
muss immer auf den kritischen Moment zwischen Leben und Tod
vorbereitet sein und soweit es in seiner Macht liegt, sool
er nicht unvorbereitet erwischt werden. Die größte
Katastrophe im geistlichen Leben ist die Möglichkeit
das Königsreich Gottes nicht sehen zu können. Wenn
wir die Nähe Gottes und seine Liebe und Güte als
Vater spüren wollen, müssen wir uns mit Gott versöhnen,
indem wir ein Bußversprechen ablegen. Dies bildet den
Brennpunkt in der Predigt von Pater Yahya (Surp Hovhannes
Migirdic) und auch von der Bibel von Rab Hisusdar: "Beichtet,
denn das Königsreich Gottes ist sehr nah."
Seit
sechs Tagen beeinflusst uns das verherrende Erdbeben von Izmit.
Neben den materiellen und geistlichen Werten ist auch die
Belastung der 20 Tausend Opfer des Erdbebens kam auszuhalten.
Dabei war bekannt, das sich das Erdbeben ereignen wird. Das
ist eben die Natur des Menschen. Bis zum entscheidenen Zeitpunkt
wollen wir Menschen nicht verstehen, dass die Maßnahmen
viel zu Spät getroffen wurden. Ob die Bauunternehmer,
die den Tot von vielen Menschen verschulden ein schlechtes
Gewissen haben? Und die Verwalter, die in Zeitlupentempo handeln,
was ist mit ihnen? Auf der anderen Seite die Griechen, die
nicht nur Geld, sondern auch ihr Blut geschickt haben, die
israelischen Zuständigen, die ihren Menschen und Landsleuten
sogar in einem anderen Land würdigen, sind sie kein Beispiel
der verdienten Hochachtung?
Vor
der Fromm sein, muss man erst Mensch sein, können. Derjenige,
der den Menschen nicht liebt, kann auch den aus Geist bestehenden
Gott nicht lieben, sagt Surp Hagop. Diejenigen, die bei solchen
Naturkatastrophen Unterschiede in Religion, Sprache und Rassen
machen, sind bedauernswerte Schöpfungen. So wie Rab Hisus
in der Iyi Samiriyeli Geschichte lehrt Menschen, die aus verschiedenen
religiösen und ethnischen Gruppen kommen, sind sie die
Kinder Gottes und sie sind zu dem noch Geschwister. Der Mensch
sollte so tugendhaft sein, ohne eine Gegenleistung zu erwarten,
seinem Nächsten zu helfen. Menschen, die bei dem Erdbeben
in Marmara gestorben sind, die leidenden Hinterbliebenen,
deren Haus und Heim nicht mehr bewohnbar sind, sind unsere
Geschwister. Jeder Gläubige sollte soviel Hilfe leisten,
wie in seiner Macht steht. Bei solch einer Qual nur zu schauen,
ist eine Schande und Sünde.
Zur
Zeit haben die Herbstregen angefangen. Die Erdbebenopfer,
die auf den Straßen schlafen, erkranken. Während
wir zu Hause in Sicherheit leben, dreimal am Tag essen, sollten
die Katastrophenopfer unsere Geschwister nicht vergessen werden.
Ihr Anteil von unseren Gaben, die uns Gott gegeben hat, sollte
sie erreichen. Dies ist unsere erste Aufgabe.
Unsere
zweite Aufgabe ist es, den Schaden an den Schulen, Kirchen
und Patriarchats-Gebäuden unserer Gesellschaft in kürzester
Zeit gemeinsam zu reparieren, wieder aufzubauen und die Gebäude
gegen weitere mögliche Erschütterungen zu stärken.
Doch
während wir dies tun, dürfen wir eines nicht unbeachtet
lassen. Und zwar: dieses Erdbeben sollte unbedingt ein Anlass
dafür sein, sich selbst zu fragen, unsere Bußversprechen
zu erneuern und uns in sozialer, administrativer und moralischer
Hinsicht zu reorganisieren.
DER
ZWEITE TEIL DER PREDIGT
Jetzt
wo sich das neue Lehrjahr nähert, möchte ich im
zweiten Teil meiner Rede ein wichtiges Thema erwähnen.
Unser geistliches und kulturelles Leben ist eine große
Ruine. Der einzige Grund dafür ist Snobismus und Angeberei.
Die Entfremdung von den Gemeindeschulen und vor allem die
Anmeldung von Kindern der Neueichen in teure Schulen ist unverständlich.
Um ihr Handeln zu rechtfertigen, beanstanden sie die Qualität
unserer Gemeindeschulen. In diesem Jahr haben 8 Schüler
von unserer Gemeindegrundschule die Aufnahmeprüfung des
Robert- College mit einer hohen Punktzahl bestanden. Die Übergangsqutoe
von unseren Gymnasien zur Universität liegt auch ziemlich
hoch. Unsere Gymnasien stehen auf Platz 150 unter den erfolgreichen
Gymnasien.
Sind
das keine Erfolgsanzeichen? Diejenigen, die zweihundert Millionen
für unsere Schulen zu teuer finden, schicken ihre Kinder
auf Schulen, deren Kosten sich auf mindesten 2- 3 Milliarden
belaufen. Sie tun ihren Kindern keinen Gefallen. Sie berauben
die eigene Kultur ihrer Kinder, Sprache und des seelischen
Reichtums. Wenn die Kinder morgen, übermorgen erwachsen
geworden sind, werden sie mit Sicherheit ihre eigenen Eltern
beschuldigen. Es gibt Automobilmarken. "Der Nachbar hat
ein Auto dieser Marke, wir sollten auch eins haben",
solche Gedanken können zum Vorschein kommen. Es gibt
viele Alternativen bei Autos. Doch gibt es keine Alternativen
für unsere Gemeindeschulen. In unseren Schulen werden
die Kinder als bewusste türkische Staatsbürger erzogen
und sie lernen die armenische Sprache und Literatur, beherrschen
die Grundelemente der christlichen Religion.
Es
gibt selbstverständlich Mängel an unseren Schulen.
Doch sind die anderen Schulen perfekt? Natürlich nicht.
So müssen wir also die inhaltlich leeren Kritiken zur
Seite legen und zur Lösung der Probleme in den Verwaltungen,
Schulkommissionen und im Elternbeirat aktiv teilnehmen. Die
Erfolglosen, die sich nicht erneuernden Verwalter werden auf
demokratische Art und Weise aus dem Amt entlassen. An ihre
Stelle werden bessere gebracht. Dies kann nur mit der aktiven
und wachsamen Teilnahme der Gemeinde möglich sein. Die
Entfremdung von unseren Schulen bedeutet, dass unsere Familienordnung
beeinträchtigt wird. Während es früher so gut
wie gar keine Scheidungen gab, ist die Scheidungsquote in
unserer Gemeinde in den letzten zehn Jahren dramatisch gestiegen.
Ehen, die keine heilige Zusage haben und die Zahl der ohne
Trauschein Zusammenlebenden liegt bei etwa 60 Prozent. Es
gibt zum Glück Nächstenliebende, die sowohl finanzielle
Unterstützung leisten, als sich auch mit den Problemen
der Gemeinde befassen und Auswege suchen. Dann gibt es aber
wieder Eingebildete, die weder eine finanzielle Unterstützung
leisten, noch Anteil an der Lösung dieser Probleme haben.
Doch wenn sie nicht am Haupttisch sitzen können oder
auf den Fotos nicht zu sehen sind, werden sie wütend.
Was
ist, wenn die führenden Persönlichkeiten des Volkes,
die Gelehrten und Nächstenliebenden sich nicht mit diesen
Problemen befassen, wer dann? Ich habe außer meiner
geistlichen und seelischen Berechtigungen keine Macht. Als
Euer Patriarch sage ich euch: Von Personen und Familien, die
ihre Kinder von der eigenen Gemeinde, der Religion und den
eigenen Schulen fern halten, nehme ich meinen Segen zurück.
Wehe dem, der von der Segnung der Resuli- Kirche und den kirchlichen
Würdenträger entbehrt ist. Was für ein Segen
für diejenigen, die unter der Obhut der Familienliebe
und Einheit leben.
Was
für ein Segen für diejenigen, die durch unsere gnadenvolle
und gütevolle Kirche, die mit den Sitten und Bräuchen
unserer Vorfahren ausgerüstet ist, das Wasser der Unsterblichkeit
von der Hauptquelle trinken können! Ich möchte kurz
sagen: es sind nur noch ein paar Wochen, bis der Unterricht
an den Schulen wieder beginnt. Unterstützt unsere Schulen,
entfernt eure Kinder nicht von euren eigenen Schulen, ermutigt
die Schulen und die lieben Lehrer, vertraut auf eure Schulen
und Kirchen. Auch wenn eure Kinder seit 1-2 Jahren andere
Schulen besuchen, bringt die Kinder in ihre eigene Lehrnester
zurück!
MESROB II.
(Armenischer
Patriarch)
Das
Interview vom Berichterstatter der Zeitung Milliyet mit dem
armenischen Patriarchen Mesrob II., am 22. Mai 1999.
Frage
: Bis zur Sultan Fatihs- Periode hatten die Armenier in Konstantinopel
keinen Patriarchen. Warum?
Mesrob
II. - Die Geschichte der armenischen Gesellschaft in Konstantinopel
führt bis in das 4. Jahrhundert n. Chr zurück. Wir
wissen, dass es im 6. Jahrhundert im inneren der Festungsmauern
eine armenische Kirche gab. Später hat Byzanz den Christen
außer der Orthodoxischen- Konfession keine Toleranz
gezeigt und somit haben die Armenier ihre Gottesdienste in
den Gebäuden außerhalb der Festmauern abgehalten.
In allen Gebieten Westanatoliens, Thrazien und sogar bis nach
Lvov war der osteuropäische geistliche Führer der
armenischen Gesellschaft in Bursa. Für die westlichen
Armenier in Byzanz war ein Patriarch nicht erforderlich.
Frage
- Wie war die Lage der Armenier in Anatolien bis zur Eroberung
Istanbuls?
Mesrob
II. - Die Geschichte der christlichen Armenier in Anatolien
fängt mit den zwei Aposteln von Jesus Christus, dem heiligen
Tadeos und dem heiligen Bartolomeos an, die in östlichen
Gebieten als Missionar tätig waren. Im Jahre 301 hat
das armenische Königreich das Christentum als offizielle
Religion angenommen. Den 1700. Jahrestag dieses Ereignisses
werden wir 2001 feiern. Somit wurde im Jahre 301 das Ecmiyadzin
Patriarchat gegründet, das als Hauptpatriarchat der Armenier
angesehen wird. Ab dem 6. Jahrhundert haben sich die Armenier
in Jerusalem von der griechischen Kirche getrennt und ein
armenisches Patriarchat gegründet.
Das
Patriarchat auf der Insel Aktamar der Provinz Van war der
dritte Aktamar Patriarchat im 10. Jahrhundert. Das Zilizien-
Patriarchat in Kozan nahm seine Arbeiten im Jahre 1441 auf.
Auf allen anderen Gebieten gab es, die armenischen Episkopus
oder Hauptepiskopus, die in der osmanischen Sprache "marhasa"
genannt wurden.
Frage:
Warum gab Sultan Fatih der armenischen Gemeinde in Istanbul
die Patriarchat- Befugnis?
Mesrob
II. - Nachdem Sultan Fatih Istanbul erobert hatte, ließ
er aus verschiedenen Gebieten Anatoliens Armenier nach Istanbul
bringen, um sie in der Stadt anzusiedeln. Die Anerkennungen
von Gennadios als griechischer Patriarch vom Hauptepiskopus
Hovagim aus Bursa als armenischer Patriarch kann darauf zurückgeführt
werden, dass er ein Gleichgewicht zwischen den christlichen
Staatsangehörigen herstellen wollte.
Man
darf nicht vergessen, dass es innerhalb des Reiches eine große
Schar gab, die die byzantisch-orthodoxe Doktrin nicht anerkannte.
Außerdem musste die Steuer, die an den Staat abgeführt
wurde, von den armenischen Staatsangehörigen eingesammelt
werden.
Frage - Während der osmanischen Ära sehen
wir die Armenier als Handwerker und Kaufleute und als ein
Volk, das die Probleme nicht all zu sehr erlebte. Nach der
Periode von Mahmut II. nähern sie sich dem osmanischen
Palast. Nach der Tanzimat- Periode festigt die Gemeinde mit
der Verordnung der armenischen Nation eine laizistische Autonomie
und verfügt nun auch über eigene Abgeordnete und
Minister. Unterdessen intensiviert sich die Auflösung
auf osmanischen Territorien. Manche armenischen politischen
Parteien leisten Widerstand gegen die zentrale Autorität.
Im Jahre 1915 eskalieren die Ereignisse. Was denken Sie über
die anhaltenden Diskussionen?
Mesrob
II. - Ich glaube nicht, dass die Armenier zu dem Zeitpunkt
auf der Suche nach Souveränität waren. Das Patriarchat
und ein großer Teil der Gemeinde waren für die
Osmanen. Ein Teil fühlte sich wegen der Plünderungen
und dem politischen Durcheinander gestört und wollte
eine vertrauensvolle Atmosphäre. Nur ein kleiner Teil,
nämlich die Taschnaks, war hinter der Souveränität
her.
In
dieser Panik begangen die Verwalter den Fehler die Tendenzen
dieser kleinen Minderheit der ganzen Minderheit zuzuschreiben.
Meiner Meinung nach war das eingentliche Problem, der Anfang
vom Ende der Osmanen. Viele Länder hatten ihre Unabhängigkeit
erklärt. Natürlich haben auch einige westlichen
Mächte bei diesem Durcheinander eine Rolle gespielt.
Wegen dieser Gründe geriet die türkisch-armenische
Beziehung in eine unsichere Atmosphäre. Somit trat das
Umsiedelungsgesetz in Kraft, was die Armenier als "große
Katastrophe" ihrer Geschichte bezeichnen.
Es
ist falsch anhand der letzten Phase der türkisch-armenischen
Beziehungen bis zur Gründung der türkischen Republik
die ganze Geschichte zu erläutern.
Man
sollte die Geschichte ab dem fünften Jahrhundert betrachten.
Man muss auch sehen, dass die erste armenische Druckerei in
Istanbul gegründet, die ersten armenischen Bücher
in dieser Druckerei gedruckt und das armenische Theater zu
dieser Zeit in Istanbul gegründet wurde. Für mich
ist das Wichtigste, dass Menschen von so vielen verschiedenen
Gruppen, Kulturen und Religionen 600 Jahre lang in einem Reich
unter dem gleichen Dach zusammen gelebt haben. Ich finde,
das ist etwas zum Feiern.
Frage:
Ist der Übergang zur Republik aus der Seite ihrer Kirche
schmerzhaft gewesen?
Mesrob
II. - Natürlich. Der Erste Weltkrieg und die Umsiedlung
von den Menschen dieses Landes waren, erlebt worden. Eine
Zerstörung hatte das ganze Volk beeinträchtigt.
In den ersten fünf Jahren der Republik hatte die Gemeinde
keinen Patriarchen. Nach der Wahl von Mesrob I. aus Mus im
Jahre 1927 hatte die Normalisierung angefangen.
Frage
- Was sind die heutigen Probleme ihrer Kirche und Gemeinde?
Mesrob
II. - Von der religiösen und geistlichen Seite her
besteht kein Problem. Wir können wann und wo wir wollen
unseren religiösen Verpflichtungen nachgehen. Das größte
Defizit liegt in Priester und Pater. Eine Theologieschule
ist erforderlich. Doch möchten wir dies mit dem Rat für
Hochschulausbildung innerhalb des Universitätssystems
lösen.
Die
Gemeinschaft hat soziale Probleme. Die Deklaration von 1936
hatte unseren Stiftungen einige unzeitgemäße Festlegungen
gebracht und müsste der gegenwärtigen Situation
angepasst werden. So wie jemand für eine Moschee spenden
kann, so sollte es auch bei der Kirche sein. Die nach 1936
an die Stiftung, gespendeten, Grundstücke sollen mit
dem Urteil von 1970, obwohl Grundbuchauszüge vorhanden
sind, an ihre Eigentümer zurückgegeben werden. Wenn
die alten Besitzer verstorben waren, wurden die Grundstücke
beschlagnahmt. Ich wünsche, dass diese Durchführungen
so schnell wie möglich aufgehoben werden.
Frage:
Wie sehen sie heute, an der Schwelle des Jahres 2000, das
türkische Volk?
Mesrob
II. - Auch wenn die Tagesordnung der Türkei, deren
75. Jahrestag wir gemeinsam feiern, durcheinander aussieht,
sehe ich, wenn ich aus dieser Atmosphäre raustrete, dass
die Lage eigentlich gar nicht so schlimm ist. Ich bin hoffnungsvoll
gegenüber der Zukunft. Ich bin optimistisch in bezug
auf die regionale Situation als auch über die zukünftigen
Bemühungen unseres Landes. Mit der zeitgemäßen
Anpassung des Systems wird die Türkei jedes Problem bewältigen
denke ich.
Frage:
Was denken Sie über die gegenwärtigen Laizismusdiskussionen?
Mesrob
II. - Dieses Prinzip ist auch in unserer Gemeinde vertreten.
Das Dokument von 1863 bestätigt dieses. Diese Auffassung
hält auch immer noch an. Ich, als der armenische Patriarch
der Türkei, bin nicht daran interessiert, den Vorsitz
von geistlichen Gerichten zu führen, die Ehen schließen
und scheiden und Verfahren in Themen der Grundbesitze behandeln.
Ich,
als Republiksmensch, bin der Ansicht, dass eine Rückkehr
unmöglich ist. Während wir uns Schritt für
Schritt dem Jahr 2000 nähern, finde ich jede Bemühung
das Leben mit religiösen Gesetzen zu leiten, was heißt,
in das Mittelalter zurückkehren, albern.
Frage:
Die Feiern anlässlich des Jahres 2000 interessieren alle
Menschen. Aber für die Christen trägt es eine besondere
Bedeutung. Was sind ihre Beiträge für die "Millennium"
Feierlichkeiten? Sind diese Feierlichkeiten nicht eine große
Gelegenheit für die Türkei? Meinen Sie die Türkei
misst diesem Thema ausreichendes Interesse zu?
Mesrob
II. - Wir messen dem eine große Bedeutung bei. Doch
weiß ich immer noch nicht, für wie wichtig die
zuständigen staatlichen Einheiten dies halten. Schauen
Sie, in der Türkei gibt es die drei Hauptkirchen von
Anatolien, nämlich die armenische, griechische und syrische
Kirche. Soweit ich weiß, ist mit keiner dieser Kirchen
Verbindung aufgenommen worden. Wir sind bereit alles mögliche
zu leisten. Doch wenn das im letzten Augenblick geschieht,
habe ich Bedenken darüber, dass große Hindernisse
auftauchen. Ich habe es immer gesagt:
Wenn
von christlichen Seite gesehen Palästina und der Vatikan
die heiligsten Länder des Christentums sind, kommt Anatolien,
also die Türkei gleich nach diesen. Denken Sie doch,
die Hälfe der Apostel von Jesu sind hier begraben. Das
ist hinsichtlich des Tourismus, der Kultur und der religiösen
Beziehungen sehr wichtig. Im Jahr 2000 wird eine große
Zahl von Menschen nach Israel reisen. Wie viele kommen zu
uns? Wenn wir auf die Tourismus-Frage eine Antwort suchen,
dann sollten wir dies beachten. Die kulturelle, folklorische
und religiöse Struktur der Türkei muss bis auf das
letzte angeboten und bekannt gemacht werden. Ich denke, dass
das nicht gemacht wird. Diese große Gelegenheit sollte
ausgeschöpft werden.
MESROB
II.
(Armenischer
Patriarch)
Am
22 Mai 1999 wurde im Hilton- Hotel ein Empfang veranstaltet,
bei dem auch der armenische Patriarch Mesrob. II eine Rede
hielt:
"Wir
befinden uns an der Schwelle des 3. Jahrtausends. Wir bereiten
uns darauf vor, in der menschlichen Geschichte eine neue Ära
zu feiern. Ich denke, dass das eine Gelegenheit für uns
alle ist. Unsere Zukunft, mit dem Traum der Zusammenheit der
Kontinente, Kulturen und der Völker zu verwirklichen...
Unser
aller Wunsch ist eine Welt, die das Menschenleben, persönliche
Rechte und Freiheiten würdigt, gerecht ist und fern von
jeder Gewalt ist.
Dieser
Wendepunkt ist nicht nur eineinzigartige Gelegenheit, sondern
auch eine schwierige Prüfung. Die zwei Jahrtausende,
die wir zurücklegen werden, sind voll von tragischen
Ereignissen.
Trotzdem
sind darin auch Ereignisse enthalten, an die wir uns immer
mit Respekt erinnern werden und in den nächsten Jahrtausenden
mit Freude feiern werden.
So
wie wir den heutigen Tag feiern...
Die
Gründung des armenischen Patriarchats ist ein einzigartiges
Ereignis in der Geschichte.
Acht
Jahre, nachdem Fatih Sultan Mehmet Istanbul eroberte, hat
er im Jahre 1461 mit einer Verordnung, die armenische Episkopus
in Westanatolien zu dem Patriarchat in Istanbul umfunktioniert.
Dies ist ein sehr großes Beispiel der Toleranz von Fatih
und den osmanischen Sultanen.
Dass
ein Herrscher einer anderen Religion für Gläubige
einer sich fremden Religion eine geistliche Stätte bauen
lässt, wurde weder vor noch nach Fatih erlebt.
Während
wir in ein neues Millenium übergehen und die Spannungen
auf der Welt betrachten, vor allem die Kriegsatmosphären
gleich in unserer Nähe, dann denke ich, dass wir den
Vorfall vor 538 Jahren besser verstehen, den Wert besser schätzen
können, den Wert, der Toleranz zwischen Religionen und
Kulturen.
Wir
möchten hier an Fatih Sultan Mehmet, der innerhalb der
Grenzen des Reiches eine Ordnung schuf, die der armenischen
Gesellschaft ein Leben ermöglichte, in dem sie ihre Sitten
und Bräuche leben konnten, an die Staatmänner, die
auf seinem Weg dem Staat dienten und an den armenischen Patriarchen
Hovagim aus Bursa, der im Jahre 1461 der erste in diesem Amt
war und die ihm folgenden 83 Patriarchen, die treu ihre Dienste
leisteten in Liebe gedenken.
Wir
türkischen Armenier, die wir in unserem Land als die
zahlreichste christliche Gemeinde leben, möchten das
75. Bestehungsjahr der Türkischen Republik mit Freude
begehen und schauen der Zukunft der Türkischen Republik
hoffnungsvoll entgegen."