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Sollte die türkisch-armenische Grenze geöffnet werden?

Araz ASLANLI

In letzter Zeit gibt es Anzeichen dafür, dass im Hinblick auf die Grenzübergangsfrage zwischen der Türkei und Armenien negative Entwicklungen auftauchen werden. Die Eröffnung des Grenzübergangs hat in der Öffentlichkeit, in der Presse und bei den Politikern von Aserbaidschan Missfallen ausgelöst, und die Regierungsmitglieder von Aserbaidschan teilten mit, dass sie solch einen Schritt von der Türkei nicht erwartet hätten. Da die Zypern-Frage in der Türkei ihre Popularität beibehält, wurde diesem Thema keine allzu große Beachtung geschenkt. Doch es ist auch bekannt, dass in der Türkei ab und zu im Übermaß für dieses Thema propagiert wird, mit dem Ziel, Grundlagen zu diesem Thema zu schaffen. Wir werden versuchen, dieses Thema von verschiedenen Standpunkten aus zu bewerten, da es aus aktueller Sicht und fortwährend beständiger Vorteile wichtig ist.

Theoretisch hält jeder Staat es für wichtig, mit anderen Staaten, vor allem mit den Nachbarstaaten, gute Beziehungen zu unterhalten. Denn je weniger bzw. mehr Probleme dieser Staat mit anderen Staaten, vor allem mit den Nachbarnstaaten, hat, desto produktiver bzw. unproduktiver kann das Potential des Landes genutzt werden. Doch gute Beziehungen zu anderen Staaten und vor allem zu den Nachbarn ist kein ledigliches Ziel oder Wert, sondern Mittel zum Zweck. Die Existenz der Staaten und die Abwehr von Bedrohungen haben Priorität. Das hauptsächliche Ziel ist die geeignete Einstellung im Zusammenhang mit der Existenzgrundlage und der mehrjährigen Strategien. Aus diesem Grund hegen die Staaten die Absicht, zu so vielen Ländern wie möglich, ebenso zu den Nachbarn, gute Beziehungen zu unterhalten. Doch ganz gleich was passiert, es ist nicht immer möglich, mit allen Nachbarn gute Beziehungen zu haben. Es besteht die Möglichkeit, dass gespannte Verhältnisse zwischen den Staaten und den Nachbarn vorliegen, wenn dies die Existenzgrundlage der Länder fordert oder die langjährigen Strategien deckt. Dass Staaten mit ihren Nachbarn oder sogar weit entfernten Ländern Kriege führen, weil dies Gewinn bringend ist, ist in jüngerer Zeit öfters aufgetreten. Wir sind ohne Zweifel der Auffassung, dass Kriege ein Drama in der Geschichte der Menschheit sind und solche Mittel in der Außenpolitik nichts zu suchen haben. Doch die Auffassung, niemals und unter keinen Umständen jemandem mit offener Feindseligkeit gegenübertreten zu wollen, zeugt eher von immenser Naivität, die nicht nur in zwischenstaatlichen Beziehungen, sondern auch in Geschäftskreisen und unter Individuen kaum Beachtung findet.

Es gibt Bestrebungen, die Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien und die Frage des Grenzübergangs zwischen diesen Ländern isoliert von den oben erwähnten Aussagen zu betrachten. Die verschiedenen Aspekte der Vorgänge werden permanent beiseite gelegt und betont, dass die Türkei nur aufgrund von „Nachbarschaft“, „wirtschaftliche Beziehungen“, „Forderungen des Westens“ und Ähnlichem so schnell wie möglich gute Beziehungen zu Armenien aufbauen müsse. In dieser Studie wird versucht, die kurze Geschichte, die Probleme der Beziehungen, das Potential der Wirtschaft untereinander und die Zukunft der Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien zu bewerten.

Türkisch-armenische Beziehungen

Die Schließung des Grenzübergangs und die Folgen

Die Entwicklungen in der UdSSR in der zweiten Hälfte der 80er spielte in der Zukunft der durch den Zerfall dieses Landes entstandenen Republiken eine entscheidende Rolle. Außer der seit langem andauernden feindlichen Haltung der armenischen Gesellschaft gegenüber der Türkei und den Türken, kamen auch zusammen mit den Bodenansprüchen an Aserbaidschan die Unabhängigkeitsbewegung mit Erfolg zustande, worauf Vorbereitungen zur Invasion von Aserbaidschan entstanden und die innere und äußere Politik Armeniens formten. Auch die Türkei nahm unfreiwillig an diesen Entwicklungen teil. Zu Beginn der türkisch-armenischen Beziehungen ist zu sehen, dass die Türkei trotz der negativen Einstellung Armeniens bemüht war, die Beziehungen zu verbessern. Nach Paragraph 11 der vom armenischen Parlament am 23. August 1990 verabschiedeten Unabhängigkeitserklärung wird das östliche Gebiet der Türkei als „Westarmenien“ bezeichnet. Es wurde weiterhin versucht, den „angeblichen Völkermord“, der an den Armeniern begangen worden sein soll, auf internationaler Ebene anerkennen zu lassen. (1) Nach Paragraph 13, Absatz 2 der armenischen Verfassung ist auf dem Staatswappen dieses Landes der Ararat abgebildet. (2) Armenien erklärt die 1921 getroffenen und die Grenze zwischen der Türkei und Armenien definierenden Abkommen von Kars und Gümrü immer noch für nichtig.

Obwohl Armenien schon zu Zeiten der Unabhängigkeitsbewegung neben dem Vorhaben der Invasion von Aserbaidschan eine feindliche Haltung gegen die Türkei einnahm, sandte die türkische Republik einen Ausschuss nach Kaukasus, Turkestan (Mittelasien) und auch nach Armenien. (3) Armenien wurde am 1. Dezember 1991 von der Türkei anerkannt; es folgten auch humanitäre Hilfen aus der Türkei, als Armenien nach der Unabhängigkeitserklärung wirtschaftliche Schwierigkeiten erlitt. Die Türkei gestattete ferner, humanitäre Hilfe über die Türkei nach Armenien zu schicken. Armenien wurde von der Türkei als Gründungsmitglied der am 25. Juni 1992 gegründeten Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit der Länder am schwarzen Meer eingeladen. Doch aufgrund fortwährender feindlicher Haltung von Armenien kam es zu keinen diplomatischen Beziehungen. (4)

Obwohl zu diesem Zeitpunkt einige der Auffassung waren, den angeblichen Völkermord beiseite zu legen und die Beziehungen zur Türkei auszubauen, führte Armenien die im Allgemeinen feindliche Politik fort. Was das Fass zum Überlaufen brachte, war die Invasion von Kelbecer, einer Provinz von Aserbaidschan, zu einer Zeit, wo Armenien die meiste Hilfe aus der Türkei erfuhr (kurz vor der Invasion wurden trotz heftiger Kritik 100.000 Tonnen Getreide nach Armenien geschickt). Die Türkei hat im April 1993 Armenien aufgefordert, die Angriffe auf Aserbaidschan zu beenden, andernfalls könnten die Beziehungen einen Rückschlag erleben und keine Verantwortung übernommen werden. (5) Als Kelbecer am 3. April 1993 vollständig von Armenien besetzt wurde, rief die Türkei Armenien auf, die Invasion zu beenden, wobei sie gleichzeitig die Beziehungen schrittweise reduzierte. Der Außenminister Hikmet Cetin erläuterte während eines Besuches am 5. April 1993 zusammen mit dem damaligen Staatspräsidenten Turgut Özal in Turkestan, dass nach den Angriffen von Armenien auf Aserbaidschan in jüngster Zeit keine Flüge, auch solche mit humanitären Hilfen, die die Türkei überqueren, gestattet werden und alle Flugzeuge, die sich nicht daran halten, wenn notwendig, abgeschossen werden. (6) Währenddessen gab der stellvertretende Verteidigungsminister von Armenien am 6. April 1993 der TASS eine Erklärung ab, in der es hieß, dass die Regierung von Erivan das Prinzip der Unveränderlichkeit von Grenzen nicht akzeptiere, dass es nur für die am Ende des zweiten Weltkrieges entstandenen westlichen Welt, vor allem für Europa gelte, nicht aber für die aufs Geratewohl bestimmten Grenzen der alten Sowjetrepubliken. Diese Behauptung wurde von den türkischen Behörden als der Traum der Armenier von „Groß-Armenien“ aufgefasst.

In dieser Zeit beschuldigte Staatspräsident Özal und andere wichtige Oppositionsführer die türkische Regierung, eine passive Haltung gegenüber der Verbreitungspolitik von Armenien eingenommen zu haben. Im Gegenzug betonte der Ministerpräsident Süleyman Demirel, dass die gelassene Haltung der Türkei von der Welt nicht falsch argumentiert werden darf. (8) Während der Beisetzung von Özal am 21. April 1993 kamen die Staatsoberhäupter von Aserbaidschan und Armenien, Ebulfez Elcibey und Lebon Ter Petrosyan, zum ersten Mal in Ankara zusammen. Auch nach diesem Zusammentreffen war Armenien in keiner Wiese willig, die Besetzung aufzuheben.

Nach dieser Zeit versuchte die Türkei ihre Beziehungen mit Armenien zu normalisieren, konnte aber keine positiven Ergebnisse erzielen. Sie gestattete den Luftkorridor H-50 für Flüge von Istanbul nach Erivan freizugeben und erhoffte eine positive Reaktion der Armenier. Dieser Korridor ist heute noch für Flüge freigegeben. (9) Armenien erwiderte diese Geste mit noch aggressiveren Reaktionen. Armenien beschuldigte weiterhin die Türkei auf internationaler Ebene und unterstützte auch noch die PKK. In dieser Zeit, in der die Türkei den Terrorismus am Stärksten bekämpfte, bekam die PKK die meiste militärische Hilfe von Armenien. Nachdem im Mai 1997 ein türkischer Hubschrauber im Nordirak abgeschossen wurde, teilte der Generalsekretär des Generalstabs am 6. Juni 1997 bei einer Pressekonferenz mit, dass man aus vertraulichen Quellen des Nachrichtendienstes erfahren habe, Armenien sie eines der Länder, das die PKK mit Raketen und mit der dafür erforderlichen Ausbildung versorge. (10)

In einer Ansprache während des Millenniumgipfels der Vereinten Nationen in New York vom 6.-8. September 2000 beschuldigte der armenische Staatschef Robert Kocaryan die Türkei, einen "angeblichen Völkermord" begangen zu haben, aber dies nie zuzugeben.

Die letzte Sitzung der Verhandlungen der 55. UN Generalversammlung wurde zu einem Streitgespräch zwischen der Türkei und Armenien. Der armenische Außenminister Vartan Oskanyan bezichtigte die Türkei wiederum, den "angeblichen Völkermord" nicht zu akzeptieren. Altay Cengizer antwortete für die Türkei, dass die Armenier-Frage unparteiisch angesehen werden müsse und die Geschichte nicht zu feindseligen Zwecken zwischen beiden Ländern dienen solle. Als Oskanyan wieder das Wort ergriff, wiederholte er die Behauptungen der Armenier und machte Andeutungen auf Hitler und Lord Curzon. (12) Bei einem Interview mit dem Reporter Mehmet Ali Birand erklärte der armenische Staatschef Robert Kocaryan, er wolle direkte Gespräche mit der Türkei aufnehmen und es würde hierfür ausreichen, den "angeblichen Völkermord" zuzugeben.

Die Haltung der Türkei und von Aserbaidschan hinsichtlich der Initiative zur Eröffnung des Grenzübergangs

In letzter Zeit fanden viele Versuche zur Eröffnung des Grenzübergangs und zur weiterentwicklung der Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien statt. In diesem Zusammenhang kamen Meinungen innerhalb der Türkei zustande und auch die EU und die USA trugen ihren Beitrag dazu. Während den Gesprächen zwischen der USA, der Türkei und Armenien wurde der Presse die Forderungen der EU-Institutionen anhand von Berichten vorgestellt und die Türkei kritisiert, weil sie die Grenze geschlossen hält. Die Anhänger dieses Standpunktes waren der Auffassung, dass die Annäherung der Türkei ihr grossen Nutzen bringen und die politische Neigung Armeniens ändern würde. Doch unter den Experten für dieses Gebiet und für Armenien ist es bekannt, dass dies nicht der fall ist. Aus wirtschaftlicher Sicht scheint es schwierig, dass die türkischen Firmen Einnahmen von mehr als 50 Millionen US$ erreichen, wenn die Grenze geöffnet wird, denn der gesamte Aussenhandel von Armenien beträgt 1,5 Milliarden US$. (14) Der ethnische Hass der Armenier gegenüber der Türkei und die daraus resultierenden Proteste, das Potential der Türkei, die alternativen Armeniens im Aussenhandel und die erforderlichen Importe von Armenien deuten darauf hin, dass Armenien dem Handel mit der Türkei nur 10 % (150 Millionen US$) ihres gesamten Aussenhandels zuteilen wird. Das Aussenhandelsvolumen zwischen der Türkei und Georgien erreichte 2000 nach der Eröffnung des Grenzübergangs einen Höchststand von 287 Millionen US$. (15) Wenn man bedenkt, dass Georgien außer der Türkei keinen Nachbarn hat, der eine ernstzunehmende wirtschaftliche Kraft besitzt und 60 % mehr Bevölkerung hat als Armenien und das Außenhandelsvolumen mit Armenien und Aserbaidschan 90 Millionen US$ beträgt, erscheinen selbst die 150 Millionen US$ als übertrieben. Der Export aus der Türkei nach Armenien wird 90 Millionen US$ (60 % vom gesamten Außenhandel) betragen (Armeniens Import beträgt 60 % des gesamten Aussenhandels und daran wird sich auch nichts mit dem Handel zwischen der Türkei ändern). Wenn man bedenkt, dass die Gewinnquote 50 % beträgt, kommen 45 Millionen US$ an Gewinn zustande.

Aserbaidschan und die Türkei haben heute folgende Ansichten zu diesem Thema.

Als von diesem Thema die Rede war, nachdem die Grenzen geschlossen wurden, vertrat die Türkei die Ansicht, dass es keine Möglichkeit gäbe, die Grenzen wieder zu öffnen, solange Armenien sich nicht aus Aserbaidschan zurückzieht. Vor allem nach 2000 versuchte die Türkei systematisch Beziehungen zu Armenien aufzunehmen. Nach einer gespannten Lage während einer Stadtversammlung in Kars erklärte ein hochrangiger Sprecher des Außenministeriums, die Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien hänge von drei Faktoren ab. Diese wären "die Besetzung von Aserbaidschan zu einem Fünftel des Landes, die Verharrung Armeniens im angeblichen Völkermord und der Bodenanspruch an die Türkei in der armenischen Verfassung.

Während eines Gesprächs mit dem US-Verteidigungsminister Rumsfeld stellte der Ministerpräsident Bülent Ecevit 3 Bedingungen zur Normalisierung der Beziehungen mit Armenien. Später, im Januar 2002, teilte er Präsident Bush während eines Staatsbesuchs in der USA mit, dass er für gute Beziehungen zu Armenien bereit wäre, hierfür aber 4 Bedingungen akzeptiert werden müssten (17):

1. Die konstante Auffassung des Völkermordes aufzugeben;
2. Sich aus den besetzten Gebieten in Aserbaidschan zurückzuziehen;
3. Einen Korridor nach Nahcivan zu öffnen;
4. Den Flüchtlingen erlauben, wieder zurückzukehren.

Nach einigen Bewertungen wurden diese 4 Bedingungen noch einmal definiert, indem der 4. Artikel in Form von “Armenien solle die Bodenansprüche unterlassen” aufgestellt werden sollte, anstatt von “Flüchtlingen” zu sprechen. Der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte am 27. Juni 2003 während eines Besuchs in Kars, dass die Grenze zu Armenien nur dann geöffnet werden könne, wenn Armenien seine Bodenansprüche unterlässt und das angebliche "Völkermord" beiseite lässt. (18)

Die Ansichten der Aserbaidschaner ist folgendermassen: "Wir sind sicher, dass die Türkei seine Beziehungen zu Armenien nicht ausbauen wird, solange Armenien sich nicht aus den besetzten Gebieten zurückzieht." Obwohl von Zeit zu Zeit zum Ausdruck gebracht wurde, dass die Türkei ihre Beziehungen zu Armenien trotz Aserbaidschan ausbauen will oder dass Aserbaidschan einen Ausbau der Beziehungen der beiden Länder akzeptiere, wurden diese von der aserbaidschanischen und türkischen Seite dementiert. Die Aserbaidschaner haben ferner erklärt, dass die Türkei selbst mitgeteilt hat, dass es Probleme in den Beziehungen zu Armenien gäbe. Im Januar 2000 erklärte der aserbaidschanische Staatschef Haydar Aliyev vor seiner Abreise nach Moskau zu einer GUS-Versammlung der Presse, dass die Behauptungen, die Grenze zwischen der Türkei und Armenien werde bald geöffnet, nur Gerüchte wären. Ferner sagte er, dass ohnehin seitens der türkischen Regierung keine Initiative stattgefunden hätte und dass der türkische Staatspräsident Süleyman Demirel und das türkische Volk dies nicht zulassen würden. Er betonte, dass solche Behauptungen nur erlogene Szenarien wären und dass nicht sie den Schlüssel zur Eröffnung der Grenze hätten, sondern die aserbaidschanischen und türkischen Völker zusammen. (19)

Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte nach einem Treffen mit seinem aserbaidschanischem Amtskollegen Vilayet Guliyev am 11. September 2003 der Presse, dass die Behauptungen vom armenischen Veteidigungsminister Serj Sarkisyan hinsichtlich der Eröffnung der Grenze nicht der Wahrheit entspräche. (20)

Letzte Entwicklungen hinsichtlich der türkisch-armenischen Grenze gab es vor und während des Türkeibesuchs des aserbaidschanischen Staatschefs Ilham Aliyev im April 2004. Vor dem Besuch hieß es, dass die Türkei die Grenzen zu Armenien öffnen könnte, was zu einer Protestaktion und zu Verhandlungen einer Gruppe von aserbaidschanischen Pressevertretern in der Türkei führte. Es wurden auch Bewertungen in türkischen Zeitungen veröffentlicht, in denen es hieß, dass es unlogisch sei aufgrund von armenischer Paranoia die Grenzen geschlossen zu halten. Doch während seines Türkeibesuches wurde Ilham Aliyev versichert, dass die Grenzen so lange geschlossen bleiben würden, bis sich die armenischen Truppen aus Aserbaidschan zurückgezogen haben. Gleich darauf wurde diese Aussage auch vom türkischen Außenminister Abdullah Gül bestätigt. (21)

Ergebnis

Wie auch in der Einführung erläutert wurde, ist die Eröffnung der Grenze nicht nur von Beziehungen zwischen zwei Staaten abhängig. Diese Entscheidungen werden auf lange Sicht von Strategien und von der Außenpolitik abhängig sein. Wenn wir uns die strategischen Ziele und die Außenpolitik der Türkei näher betrachten, stellen wir fest, dass im Allgemeinen ein friedliches Zusammenleben mit den Nachbarn, die Gewährleistung der wirtschaftlichen und politischen Vorteile auch im Ausland die Schwerpunkte darstellen. Wenn man die Gebiete isoliert betrachtet, könnte der Kaukasus als die Tür der Türkei nach Mittelasien aufgefasst werden. Außerdem hat die Türkei politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bindungen mit dem Volk im Kaukasusgebiet. Die Gewährleistung des Friedens, der Beständigkeit und Zusammenarbeit in diesem Gebiet ist aus türkischer Sicht sehr wichtig. (22) Es ist unakzeptabel, dass von der Türkei eine bedingungslose Hingabe für eine Zusammenarbeit mit einem Land erwartet wird, dass die territoriale Integrität der Türkei nicht anerkennt, keine Grenzabkommen unterschreibt, Kampagnen zuungunsten der Türkei führt und in dieser Hinsicht jede Gelegenheit ausnutzt, ferner den Frieden im Kaukasusgebiet bedroht, ein Fünftel seines Nachbarn Aserbaidschan besetzt, Bodenansprüche auf seine Nachbarn und auf Russland erhebt, und die Türkei daran hindert, eine Verbindung nach Turkestan zu erstellen.

Folgenden 2 Themen sind heutzutage aus der Sicht der Eröffnung der türkisch-armenischen Grenze besondere Wichtigkeit beizumessen:

A) Armeniens Haltung

Obwohl die Ter-Petrosyan-Führung die Auffassung vertritt, dass ein Ausweg Armeniens aus der momentanen miserablen Lage nur von guten Beziehungen mit der Türkei abhängt, hielt sie lange Zeit an einer sich ausbreitenden Ideologie und aggressiven Politik gegen die Türkei fest. (23) Neben der Anfang 1990 geführten Politik gegen die Türkei stellte Kocaryan für die Entwicklung der Beziehungen mit der Türkei die Bedingung, den angeblichen Völkermord anzuerkennen und die bestehenden Grenzfragen zu klären. (24) Nach allgemeiner Auffassung würde eine Eröffnung der Grenze der Kocaryan-Führung wirtschaftliche Unterstützung leisten und bei den marginalen Gruppen in der Kocaryan-Führung zu der Schlussfolgerung führen, dass ihre Politik gegen die Türkei Erfolg hätte. Ferner würde dies auch den Beziehungen zwischen der Türkei und Aserbaidschan schaden. (25) Außerdem besteht auch die Möglichkeit, dass die Armenier den Vorschlag der türkischen Seite, die Grenzen zu öffnen, ablehnen. (26) Die Bedingungen, die der Türkei von einigen armenischen Behörden und vielen Politikern gestellt werden, um die Grenzen zu öffnen, ist für die eventuelle Ablehnung ein klarer Beweis. Solch eine Situation würde dem Ansehen der Türkei schaden. Außerdem ist es ersichtlich, dass das Öffnen der Grenzen eine eventuelle Annäherung Armeniens an die USA bedeuten und dies die USA für ihre Interessen instrumentalisieren würde. Dies wäre aber für die Russen aufgrund ihres Einflusses auf Armenien nicht wünschenswert. Aus diesem Grund scheint es schwierig, die Grenzen zu öffnen, auch wenn die Türkei dieser Entscheidung zustimmen würde.

B) Die Außenpolitik der Türkei

Wie oben erwähnt wurde, stellte die Türkei Armenien einige Bedingungen zur Entwicklung der Beziehungen. Dass außer einer dieser Bedingungen alle “negative Bedingungen” sind, steht außer Frage. Das bedeutet, dass die Türkei von Armenien nicht fordert, etwas zu tun, sondern im Gegenteil, etwas nicht zu tun. Die Türkei fordert, dass Armenien die sich ausbreitende, aggressive und die globale Politik gegen die Türkei aufgibt und auch die Unterstützung solcher von anderen Ländern geführten Politik unterlässt. Die Türkei fordert Armenien auf, auf die Bodenansprüche an die Türkei zu verzichten. Es ist nicht zu erwarten, dass ein Land wie die Türkei, die regional eine bedeutende Rolle spielt, mit einem aggressiven, ihre Politik behindernden kleinen Nachbarland Beziehungen aufbaut, bevor es diese “negativen Bedingungen” erfüllt und Türkei keine wichtigen wirtschaftlichen Vorteile hat. Die Freigabe des Luftkorridors und der Beginn von Flügen kann als gegenseitiges Zugeständnis aufgefasst werden. Solange Armenien keine positive Haltung einnimmt und die aggressive Haltung steigert, ist es undenkbar, die Grenzen zu öffnen.

Die in letzter Zeit öfter auftauchende Bestrebung, dieses Thema mit der Aserbaidschan-Frage in Verbindung zu stellen, ist fern von jeder wissenschaftlicher Vernunft und dient der Irreführung der Öffentlichkeit. Wie oben erwähnt, haben die Bedingungen der Türkei, die an Armenien gestellt wurden, nur in ihrem eigenen Interesse. Im Hinblick auf die oben erwähnten Aussagen kann eine Eröffnung der Grenzen zu Armenien in der heutigen Lage als unlogisch und unwahrscheinlich bewertet werden.

1) Der ganze Text der Unabhängigkeitserklärung und damit zusammenhängende Artikel: Öffentliche Webseite des armenischen Außenministeriums:
www.armeniaforeignministry.com/htms/doi.html (10. April 2004).

2) Zusammenhängende Artikel mit der armenischen Verfassung: Öffentliche Webseite des armenischen Staatsoberhaupts.
http://www.president.am/eng/?folder=lib&sub=constitution&chapter=1 (10. April 2004).

3) Nazmi Gül-Gökçen Ekici, ‘Azerbaycan ve Türkiye ile Bitmeyen Kan Davasý Ekseninde Ermenistan’ýn Dýþ Politikasý’, Eurasia-Akte, Sonderausgabe Aserbaidschan, Frühling 2001, Band 7, Nummer 1, S. 381.

4) “Türkiye-Güney Kafkasya Ýliþkileri”, öffentliche Webseite des türkischen Außenministeriums, http://www.mfa.gov.tr/turkce/grupa/kafkasya.htm (8. März 2004).

5) Öffentliche Webseite des Büros des Premierministers, Presse-und Informationsamt,
http://www.byegm.gov.tr/YAYINLARIMIZ/AyinTarihi/1993/nisan1993.htm
(20. Januar 2004).

6) http://www.byegm.gov.tr/YAYINLARIMIZ/AyinTarihi/1993/nisan1993.htm
(25. Februar 2004).

7) http://www.byegm.gov.tr/YAYINLARIMIZ/AyinTarihi/1993/nisan1993.htm
(26. Februar 2004).

8) http://www.byegm.gov.tr/YAYINLARIMIZ/AyinTarihi/1993/nisan1993.htm
(26. Februar 2004).

9) Die Ansprache von Kamran Inan, dem damaligen TBMM Kommissionsvorsitzenden für äußere Angelegenheiten in der 68. Versammlung vom 28. Februar 2002, TBMM Protokollzeitschrift, 21. Periode, Band 78, 4. Jahr der Gesetzgebung,
http://www.tbmm.gov.tr/tutanak/donem21/yil4/bas/b068m.htm (4. April 2004).

10) Abdülhamit Bilici, “Tehdit Nerede Biz Neredeyiz”, Aksiyon,
http://arsiv.aksiyon.com.tr/arsiv/153/pages/dosyalar/dos9.html (21. März 2004).

11) Millenniumsgipfel der UN,
http://www.belgenet.com/arsiv /binyilzirve.html (20. März 2004).

12) “BM’de Türk-Ermeni Söz Düellosu”, Hürriyet, 23. September 2000.

13) Hürriyet, 1. Februar 2001.

14) http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/am.html#Econ (31. März 2004).

15) Hasan Kanbolat, ‘Türkiye-Azerbaycan-Gürcistan Zirvesi ve Gölgedeki Ortak Ermenistan’, strategische Analyse, Band 3, 26. Ausgabe, 2002, S. 57.

16) “Ermenistan’a Tavýr”, Zaman, 30. Juni 2000.

17) “Erivan Þartlarý”, Hürriyet, 20. Januar 2002.

18) http://www.azg.am/start.pl?lang=TR&num=2003062801
(20. Januar 2004).

19) “Aliyev’den Yalanlama”, Türkiye, 25. Januar 2000.

20) “Türkiye Ermenistanla Serhedi Açmayacaq”,
http://www.525ci.com/2003/09/13/ read.php?m=2&id=14 (31. Januar 2004).

21) “Sýrada Karabað Var”, Türkiye, 16. April 2004.

22) http://www.mfa.gov.tr/turkce/ grupa/kafkasya.htm (8. März 2004).

23) Azg, 1. Mai 2002.

24) Þirin Payzýn, ‘Kocharian: Lets Make Up But Remember Past’, Diplomatiezeitung, Nummer 1, Juni 1998, S. 32.

25) Svante Cornel, ‘Ermenistan’la Sýnýr Kapýsýnýn Açýlmasý Türkiye’ye Zarar Verir’, Zaman, 26. Juni 2003.

26) Auch in Armenien ist die Auffassung stark vertreten, keine Beziehungen zur Türkei aufzunehmen, wenn sie den Völkermord nicht anerkennt.

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