Die
armenischen Komitees betrachteten die Verwicklung der Osmanen
in den Krieg gegen England, Frankreich und Russland, am
1. November 1914 als eine gute Gelegenheit. Armenier, die
Regimente aus Freiwilligen gründeten und sich der russischen
Seite anschlossen, marschierten gemeinsam mit den russischen
Besatzungskräften ins Ostanatolien ein. In verschiedenen
Teilen Anatoliens wurden Aufstände angestiftet, den
osmanischen Einheiten war in den Rücken gefallen, und
das zivile türkische Volk massakriert worden. Das Massaker
richtete sich nicht allein auf die Türken, es wurden
auch die um Trabzon lebenden Griechen, sowie Juden und Armenier
um Hakkari massakriert.
Kurz,
bevor der Osmanische Staat in den Krieg verwickelt wurde,
trat das armenische Komitee Taschnaksutyun im Juni 1914 in
Erzurum zusammen und fasste die folgenden Beschlüsse:
"Mit
Acht auf die widersprüchliche Politik der Regierung unter
der Partei für Einheit und Fortschritt, gegenüber
den Armeniern in den Sozialbereichen, Wirtschaft und Verwaltung,
in Betracht auf ihre unverlässliche Haltung bei der Durchführung
von Druck und Reformen, beschließt der Taschnaksutyun
Kongress weiterhin gegen die Partei für Einheit und Fortschritt
in der Opposition zu bleiben, das politische Programm zu kritisieren
und einen harten Kampf gegen die Partei und gegen alle Mitglieder
einzuleiten. "
Kurz
nach dem die Osmanen Mobilmachung ausgerufen hatten, veröffentlichten
die in Marseille lebenden türkischen Armenier am 5. August
1914 eine Erklärung, die in verschiedenen Zeitungen erschien.
Hier einige Zitate daraus:
"Die
russischen Armenier werden an der Seite der Moskauer Armeen,
ihre Aufgaben erfüllen, um sich für die Verunglimpfung
der Leichen unserer Gebrüder zu rächen. Und nun
zu uns, den unter der türkischen Tyrannei lebenden Armeniern.
Die Waffe keines Armeniers darf sich gegen unsere zweite Heimat
Frankreich und gegen die Verbündeten und Freunde dieses
Staates richten."
(...)
"Die
Türkei ruft euch unter die Waffe, ohne zu sagen, gegen
wen diese Waffen gerichtet werden sollen. Geht und schließt
euch freiwillig zu den Armeen Frankreichs oder dessen Verbündeten
an, um die Armeen von Wilhelm ll. zu niederschlagen, dessen
Eisenbahngleisen über die Leichen von 300.000 unserer
Gebrüder und Geschwister führt... "
Fast
in allen Quellen ist die Kollaboration der Armenier mit den
Russen erwähnt.
Philips Price sagte zu diesem Thema folgendes:
"... Als der Krieg ausbrach, nahmen die Armenier in diesem
Gebiet (Ostanatolien) heimlich Kontakt zu russischen Zuständigen
in Kaukasien auf. Mit Hilfe einer illegalen Struktur wurden
aus türkischen Provinzen Freiwillige für die russische
Armee geschickt... "
Rafael
de Nogales schreibt folgendes:
"Als
die Feindseligkeit auch praktisch begann, wechselte der Abgeordnete
aus Erzurum, Garo Pasdermichan (Pastirmaciyan) gemeinsam mit
fast allen armenischen Offizieren und Soldaten des dritten
Armeekorpes auf die russische Seite um. Kurze Zeit später
kehrte er mit den Soldaten zurück, begann Dörfer
niederzubrennen und alle unschuldigen Moslems grausam zu ermorden.
Gegenüber diesen blutigen Greueltaten lösten osmanische
Funktionäre armenische Soldaten und Gendarmen, die wohl
noch nicht von der Armee fliehen konnten, von der Waffe ab
und verlegten sie in Bataillons, die im Straßenbau und
Gütertransport arbeiteten. "
Clair
Price schreibt folgendes:
"Gemäß
der Verfassung von 1908 hatte die Regierung unter Enver das
Recht, genau wie die Türken auch die Armenier unter die
Waffe zu rufen. Doch begann sofort ein bewaffneter Widerstand,
insbesondere in Zeytun. Entlang der östlichen Grenzen
begannen die Armenier auf die russische Seite umzuwechseln.
Die Regierung unter Enver zweifelte an der Treue des Rests
der armenischen Offiziere und Soldaten und verlegte sie in
Arbeitsbataillons. "
Die
Osmanische Regierung rief am 3. August Mobilmachung aus. Die
in Zeytun lebenden Armenier lehnten die osmanische Verwaltung
ab und gründeten ein Zeytun- Regiment aus Freiwilligen,
dass das Gebiet selbst verteidigen sollte. Da aber diese Forderung
abgelehnt wurde, brach am 30. August der Aufstand aus. Rund
60 Aufständische wurden samt ihrer Waffen gefasst und
eine Zeit lang, herrschte Ruhe. Doch im Dezember begannen
erneut in Zeytun Angriffe gegen Verwaltungsbeamten und Gendarmen.
So
sah es im Mai 1915 im Inland aus, wobei die Russen in Ostanatolien
vorrückten, englische und französische Flotten an
den Dardanellen drängten und im Süden die sogenannte
Kanal Offensive anhielt. In Zeytun, Van und Mus war es zu
Aufständen gekommen, in Folge des Aufstandes in Van war
die Stadt unter russische Besatzung geraten. In Zeytun und
Mus hielt der Aufstand noch an. Überall im Land gab es
Fahnenflüchtige, Banden verübten Anschläge.
Da fast alle türkischen Männer im Krieg waren, hatten
die Armenier großen Spielraum. Der Staat musste auf
einer Seite kriegen führen und auf der anderen Seite
sich mit den Aufständen beschäftigen. In einer solchen
Lage war der Osmanische Staat gezwungen, die Umsiedlung zu
beschließen. (1)
Es
gibt, einen weiteren, während des Krieges gefassten Beschluss
über die Armenier, wobei es um das Patriarchat geht.
Mit dem Regierungsbeschluss, der am 10. August 1916 im amtlichen
Blatt Takvim-i Vakayi erschien, wurde die Verbindung der armenischen
Kirchen in der Türkei mit Ecmiyazin abgebrochen. Die
Bistümer in Sis und Akdamar wurden vereinigt und der
Hauptsitz wurde nach Jerusalem verlegt. Das Istanbuler- Patriarchat
wurde diesem Zentrum angeschlossen. Der Patriarch in Istanbul
durfte nur Kontakt zum Ministerium für Konfessionen aufnehmen.
Der Beschluss regelte ferner die Wahl des Patriarchen und
der Räte neu. (2)