Die
Massaker der Armenier gegenüber den Türken fanden
nicht nur in Anatolien, sondern auch in Kaukasien und in Aserbaidschan
statt. Zu diesen Vorfällen, zitieren wir aus Dokumenten
vor Prof. Dr. Fahrettin M. Kirzioglu:
"Im
August 1919, überfielen die armenischen Einheiten insgesamt
45 Dörfer in der Umgebung von Nachitschewan und Serür
und haben aus gepanzerten Eisenbahnwagen auf Dörfer in
der Nähe der Eisenbahnstrecke geschossen.
Gegen
Ende Mai 1920 vertrieben die Armenier die Einwohner des moslemischen
Dorfes Karadagli, nahe Uluhanli bei Eriwan, aus ihren Häusern
und plünderten sie aus.
In
der Nacht auf den 24. Mai 1920 überfielen mehr als 300
armenische Kavalleristen das Dorf Cebecali, 5 km nördlich
von Uluhanli, und erstachen alle moslemischen Erwachsenen
mit Bajonetten.
In
der Nacht auf den 27. Juni 1920 überfielen die Armenier
die Dörfer Hacýbayram und Haberbegli in Eriwan
plünderten die Eigentümer der Einwohner aus, ermordeten
eine Vielzahl der Einwohner und die wenigen, die fliehen konnten,
ertranken in dem Fluss Aras, als sie versuchten, den Fluss
in südliche Richtung zu überqueren.
500
Moslems, die versuchten mit den Reisepässen, ausgestellt
von dem aserbaidschanischen Botschafter in Eriwan, nach Aserbaidschan
und in andere Orte zu reisen, wurden bei ihrer Reise nach
Gence, in der Nähe von Gümrü aus den Zügen
herunter geholt und ermordet.
Am 6. April 1920 überfielen die armenischen Einheiten
die moslemischen Dörfer der Regionen Zengezor, Ordubad
und Vedi und übten grausame Taten aus.
Sie
überfielen in der Nacht zum 16. April 1920, das Dorf
Hachaparak, 15 Minuten entfernt von Eriwan, und übten
ein Massaker an den Moslems aus. 6 Männer, die versuchten
diesem Massenmord zu entkommen, wurden mit Dolchen erstochen.
Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt und danach verbrannt.
Alle Häuser wurden ausgeplündert."
Die
Greultaten der Armenier gegenüber den Aserbaidschanern
fanden nicht nur während des Ersten Weltkrieges statt,
wurden auch danach, zu der Zeit der Sowjetunion und auch nach
der Auflösung der Sowjetunion während der Zeit der
Armenischen Republik fortgesetzt. Yasin Aslan weist auf wichtige
Dokumente in seinem Buch "Armenien, an der Historischen
Kreuzung" hin.
Die
Armenier veranstalteten am 13. Februar 1988 im Verwaltungszentrum
von Berg Karabagh, der Stadt Hankendinde (Stepanakert) eine
Demonstration. Sie verlangten, dass Berg Karabagh von Aserbaidschan
getrennt und an Armenien übergeben werden sollte. Danach
folgten weitere Forderungen. Am 18. Februar 1988 trafen die
ersten aserbaidschanischen Flüchtlinge in Baku ein. Sie
wurden jedoch mit Bussen zur Rückreise gezwungen. Die
Flüchtlinge fanden in Sumgayit Zuflucht. Es kam hier
zu einigen Vorfällen. Rund 180 bis 200 Tausend Aserbaidschaner
wurden aus Armenier mit Gewalt vertrieben. Eine gleiche Anzahl
von Armeniern wurde vermutlich auch aus Aserbaidschan vertrieben.
Kurz gesagt, führten die Vorfälle seit 1988 dazu,
dass mehr als 1 Million Aserbaidschanern zu Flüchtlingen
wurden.
Die
1988 begonnenen Vorfälle bilden eigentlich den letzten
Ring der Verbannungskette. Die Aserbaidschaner in Armenien
wurden in der sowjetischen Zeit ein paar mal vertrieben worden.
Arutunyan, Vorsitzender der Armenischen Kommunistischen- Partei,
schrieb im Jahre 1945 in einen Brief an Stalin und forderte
die Übergabe Berg Karabagh an Armenien. Stalin hingegen,
sandte diesen Brief weiter an den Vorsitzenden der Aserbaidschanischen
Kommunistischen- Partei, Mir Cefer Bagirov. Bagirov bekundete
in seinem Brief an Stalin, dass die gesamte Bevölkerung
von Schuscha (Susa) aus Aserbaidschanern besteht und dass
diese Region weiter als ein Teil Aserbaidschans bleiben muss.
Er unterstrich ferner, dass auch die Aserbaidschaner Bodenansprüche
von Armenien haben. Diese Annäherung führte damals
dazu, dass dieses künstlich entworfenes Problem zunächst
bei Seite gelegt wurde.
Aber
der Ministerrat der ehemaligen Sowjetunion, verbannte mit
dem Beschlss- Nr. 4083 vom 23. Dezember 1947, die in Armenien
lebenden Türken unter Bezeichnung als "Aserbaidschaner"
auf die Kura-Aras- Ebene in Aserbaidschan. Der selbe Ministerrat
ermöglichte mit dem Beschluss- Nr. 754 am 10. März
1948 die Umsetzung des vorherigen Beschlusses. Nach diesem
Beschluss wurden die Aserbaidschaner aus Armenien vertrieben.
Die Vertreibung wurde bis zum Tod von Stalin weitergeführt.
In dieser Periode wurden insgesamt 150 Tausend Aserbaidschaner
aus ihrem Vaterland vertrieben.
Am
Anfang des Jahrhunderts wurden die in Armenien lebenden Aserbaidschaner
auf verschiedenen Wegen zur Umsiedlung gezwungen. Im Jahre
1927 bestand 70% der Bevölkerung von Eriwan aus Aserbaidschanern.
In diesen Jahren wurden 130 Tausend Aserbaidschaner verbannt
und rund 100 Tausend Armenier aus den Nahostländern in
Eriwan angesiedelt. Dies wurde auch in den folgenden Jahren
weitergeführt. Den armenischen Historikern nach, waren
am Anfang des vorigen Jahrhunderts, 2000 von insgesamt 2300
Dörfern in Armenien von Aserbaidschanern besiedelt. Nach
1936 wurden die aserbaidschanischen Ortsnamen geändert.
Im Jahre 1991 wurden mit dem Befehl des armenischen Staatspräsidenten
Levon Ter-Petrosyan, die Namen von 90 aserbaidschanischen
Dörfern geändert. Die Umbenennung hatte zwischen
1960 und 1970 unter Leitung der stellvertretenden Präsidenten
der Sowjetisch Sozialistischen Republik Armeniens, Hovanes
Bagdarasyan begonnen.
Nach
Verbannungen und Vertreibungen, die zwei Jahrhunderte anhielten,
mussten 1,5 Millionen Aserbaidschaner ihre Heimat verlassen
und sie wurden aus Armenien zur Auswanderung gezwungen. Die
Verbannung wurde 1988 vollendet. Heute kann man in Armenien
nicht einen einzigen Aserbaidschaner finden. 1988 machten
die Armenier 88,6 Prozent der Bevölkerung in Armenien
aus. Anfang des Jahrhunderts war die Fläche von Armenien
9 Tausend Quadratkilometer groß. Dank aserbaidschanischer
Territorien expandierten die armenischen Territorien inzwischen
auf 29,8 Tausend Quadratkilometer. Davon sind die in den letzten
Jahren besetzten Gebiete ausgeschlossen.
Es
ist Tatsache, dass sich der Druck Russlands und Armeniens
auf Aserbaidschan verstärkt wurde. Aserbaidschan steht
kurz davor, sich zu Libanon zu verwandeln. Die Gefahr der
Teilung besteht weiterhin. Die Armenier halten zur Zeit immer
noch den Lacin- Korridor, der Berg Karabagh und Armenien verbindet
unter Kontrolle. 20 Prozent der aserbaidschanischen Territorien
stehen unter armenischer Besetzung. Auf der anderen Seite
rief Armenien im Mai 1922 die "Republik Kurdistan"
in den Gebieten Lacin und Kelbecer aus.
Nach
Angaben des ehemaligen Leiters des armenischen Dienstes im
Rundfunksender Azadlig (Freiheit), Eduard Oganisyan, der zugleich
Vorsitzender der Anstalt für russisch-armenische Beziehungen
und einer der Führer der Partei Taschnaksutyun ist, unterzeichnete
die armenische Regierung ein heimliches Abkommen über
den Anschluss Armeniens an Russland.
Armenien
versucht eine, ihm eigene Rolle im Gebiet zu spielen. Um den
Inhalt dieser Rolle zu verstehen, braucht man nur Nachrichten
in der russischen und armenischen Presse zu lesen.
Der
Artikel von Artur Gevarkyan, geboren im Jahre 1963, Lehrkraft
an dem armenischen Institut für Philosophie und Politologie,
der in der Ausgabe 1993/4 der Zeitschrift "Nas Sovremennik"
unter dem Titel "Turan anstelle der Sowjetunion?"
erschien, ist aus mehreren Hinsichten interessant. Gevorkyan,
der die Belebung vom "Dritten Rom" feuriger als
ein Russe verteidigt, meint folgendes:
"Armenien
Unterstützt Russland in der Kaukasus- Region und ist
ein natürlicher und historischer Verbündeter. Die
Armenier sperren den Pantürkisten den Weg, die zu der
Dreier-Gruppe gehören, welche unter anderem aus Angelsachsern
und Zionisten besteht. Der einzige Ausweg für christliche
Länder, wie Russland, Armenien, Georgien und Serbien
ist die Belebung des "Dritten Römischen Reiches".
Einige
russische Funktionäre behaupten, dass die Kaukakus Region
in einem Feuerkreis gehalten werden muss um die Region von
äußeren Einflüssen zu schützen. So werden
Länder wie die Türkei und der Iran sich nicht in
dieses Gebiet wagen. Ein Artikel von Vadim Simburski, der
im April 1994 in der Zeitung Segodnaya erschien, ist ein gutes
Beispiel dafür. Simburski fasst seine Gedanken wie folgt
zusammen:
"Die
Kaukasus- Region ist die einzige Region, die eine direkte
Gefahr für die Interessen von Russland bildet. Es steht
im Interesse Russlands, dass es im Gebiet kleine Reichtümer
wie "Aserbaidschan" und "Georgien" gibt,
die weiterhin als ein nationaler Staat bleiben wollen. Im
Gebiet gibt es revolutionäre Mächte, die die Interessen
Russlands schützen werden. Aus diesem Grund muss die
"stabile Instabilität" gewahrt werden. Diese
seit Jahren gewahrte instabile Lage verhindert die Eingriffe
der Türkei und des Iran. Andauernde kleine Konflikte
stehen im Interesse von Russland. Denn diese Lage wird zu
einem Feuerkreis beitragen, der die Türkei daran hindert,
in das Gebiet zu gelangen.
Ungeachtet
dieser Lage im Westen des Kaspischen- Meeres, muss Russland
es im Osten des Kaspischen- Meers, die Stabilität gewährleisten.
Denn Kasachstan ist ein halb russisches Gebiet. Kasachstan
muss zu einer Sicherheitszone verwandelt werden, die die südlichen
Grenzen Russlands schützt.
Odenburg wird zur Verbreitung von Mittelasien offen sein.
Aus diesem Grund muss Russland alles in seiner Macht stehende
tun, um Kasachstan und die mittelasiatischen Länder zu
einer sicheren Zone im Inland zu verwandeln."
Vazgen
Manukyan, der zwischen 1992-1993 Verteidigungsminister von
Armenien war und zur Zeit inoffizieller Führer der Opposition
ist, hat bei einem Interview im April 1994, in der Zeitung
Nezavisimya bekundet, dass es an der Zeit sei, zwischen der
Berg Karabagh und Aserbaidschan einen Föderationsstaat
zu gründen.
Das
Angebot von Andronik Migranyan, politischer Berater des russischen
Staatspräsidenten Jelzin und Mitglied des Präsidentschaftsrates,
ist von vielen Hinsichten aus sehr interessant. Migranyan
hat in einem Interview für die Zeitung Nezavisimaya,
im Januar 1994 vorgeschlagen, dass ein föderativer Staat
zwischen Aserbaidschan und Georgien gegründet wird. Er
behauptete weiter, dass ein föderatives Aserbaidschan
und Georgien ohne Russland nicht leben könne. Er erklärte
weiter, dass Armenien, an der Südgrenze von Russland,
zu einem Stabilitätsfaktor umgewandelt werden müsse.
Auch
Levon Schirinyan stellte die gleiche Behauptung in der Zeitung
Azatamart. Schirinyan und behauptete, dass Nachitschewan an
Armenien zurückgegeben werden solle. Diese Beispiele
können vervielfacht werden. Sie weisen darauf hin, aus
welchen Zentren diese Vorfälle gelenkt werden.
Diejenigen,
die versuchen eine Annäherung zwischen der Türkei
und Armenien zu verhindern und dagegen offen propagandieren
sind die Anhänger der Daschnaksutyun- Partei und Zweigorganisationen,
die Anhänger von Moskau, Berater wie Ambatsumov (Ambartsumyan),
Migranyan, Kurginyan, die zuvor Gorbatschow und danach Jelzin
nahe standen sind, die Armenier, die an der russischen Regierung
teilnehmen und insbesondere der armenische Diaspora.
Eine
Nachricht die von der Daschnaksutyun Partei am 7. Dezember
1993 unter der Bevölkerung verbreitet wurde, um Panik
auszubreiten, ist ein gutes Beispiel hierfür. Die Nachrichtenzentrale
der Daschnaksutyun Partei verbreitete die Auskunft, dass die
türkische Armee einen Raketenangriff, insbesondere gegen
das Atomkraftwerk Medzamor und auf weitere Ziele in Armenien
starten werde. So hieß es in der Nachricht, die Türkei
wolle ihre Angriffe damit gerechtfertigten, dass die PKK-
Terroristen in Armenien aktiv sein. Dem Vorsitzenden der Nachrichtenzentrale
Bagrat Andronik nach, würde die Türkei die Angriffe
aus Nachtschewan leiten.
Antitürkische
Nachrichten machen einen wichtigen Teil der Meldungen in der
armenischen und russischen Presse aus. In diesen Artikeln
wird versucht, die Bevölkerung mit dem so genannten "Türkischen
Faktor" einzuschüchtern. Ausdrücke wie "Der
erweckende Riese", "Der erwachende Löwe",
"Todesengel der Sowjetunion", "Der Osmanische
Geist erwacht" und "Einer der Zwei Säulen des
künftigen Reiches" werden häufig benutzt. Der
armenische Politikwissenschaftler Andronik erläutert
diese Artikel wie folgt:
"Armenien,
Russland und Iran könnten eine Vereinigung der Türkei
mit Aserbaidschan und Mittelasien verhindern. Armenien und
der Iran müssen zu einem Faktor zur Hinderung dieser
Einheit werden."
Armenien
spielt seit einigen Jahrhunderten eine wichtige Rolle in der
russischen Außenpolitik. Armenien ist ein Fernposten
von Russland gegen die türkische und islamische Welt.
Aber die russischen Nationalisten nähern sich seit einigen
Jahren der Türkei an und kritisieren die Eingriffe Armeniens
auf aserbaidschanischen Territorien. Ein Teil der russischen
Nationalisten betrachtet nun Armenien als eine Last auf der
Schulter Russland.
Nach
Moskauer- Zeitungsberichten, trägt Russland 57 Prozent
des Haushaltsbetrages von Armenien. Es scheint nicht möglich,
dass Armenien einen solchen umfangreichen Krieg ohne Unterstützung
aus dem Ausland weiter führen kann. Der Vorsitzende des
aserbaidschanischen Parlaments, Resul Guliyev erklärte
gegenüber eines russischen TV Senders, dass Armenien
nicht in der Lage sei den Krieg noch fünf Jahre weiterzuführen,
wenn es keine ausländische Unterstützung erhalten
sollte. Nach Guliyev ist Armenien nicht in der Lage einen
einzigen weiteren Panzer zu kaufen. Die Unterstützer
von Armenien sind die im Ausland lebenden Armenier, einige
westliche Staaten und einige Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft
Unabhängiger Staaten (GUS).
In
der Ausgabe 1992/13 der Moskovski Novosti Zeitung wurde behauptet,
dass nach dem Rückzug Russlands aus der Kaukasus- Region,
das Gleichgewicht gestört und die Region unter Einfluss
der Türkei geraten wird.
Der
Bericht des Gorbatschow Fonds zum Thema Berg Karabagh weist
daraufhin, dass ein solch großer Staat wie Russland
aus vielen Gründen Armenien nicht mehr braucht. Armenien
sei nur ein freiwilliger Verbündeter Russlands. Die folgende
Zeile aus dem Bericht ist sehr wichtig: "Die historische
Vergangenheit der russisch-armenischen Beziehungen zwingt
Russland, Armenien zu unterstützen."
Die
Armenier sind sich diesem Bewusst und versuchen die Situation
möglichst bestens auszunutzen. In einem Artikel in der
Zeitung Azatamart betonte Levon Schirinyan folgendes:
"Kein
Zweifel, Russland wird in der nahen Zukunft das mächtigste
Land im Kaukasus sein. Länder, wie auch die Vereinigte
Staaten von Amerika, haben bis heute versucht, Russlands Interessen
im Gebiet herauszufordern. Die Tatsache, dass Russland Osteuropa
verloren hat, zwingt es zu einer strategischen Annäherung
im Süden zu den Armeniern. Armeniens Aufgabe ist, Russlands
politische Manöver im Gebiet sehr gut zu beobachten und
diese möglichst gut auszunutzen. Eine Zusammenarbeit
im Rahmen der Gemeinschaft Unabhängiger- Staaten und
gute gegenseitige Beziehungen müssen erstellt werden.
Sonst wird ein anderes Land oder ein anderer Partner, die
Stelle des schwachen Armeniens einnehmen".
Seit mehr als 70 Jahren, stützte sich die Türkei-
Politik Armeniens auf die Behauptung, dass die Türken
1,5 Millionen Armenier ermordet haben und die Propaganda um
die Wiedergewinnung der Flächen im Nordosten der Türkei,
die mit dem Vertrag von 1921 der Türkei überlassen
wurden. In allen Parteiprogrammen der armenischen Parteien
steht es fest, dass diese Flächen wiedergewonnen werden
müssen, und dass die Türkei zu einer Entschuldigung
für die Ermordung der Armenier während des Osmanischen
Reiches gezwungen werden muss. Wie bekannt hat "Die geheime
Armee zur Befreiung Armeniens", kurz ASALA genannt, zwischen
den Jahren 1974-1985 45 türkische Diplomaten und deren
Familienangehörige getötet.
Nachdem
die Armenische Volksbewegungspartei von Ter-Petrosyan 1990
zur Macht kam, entstanden wichtige Änderungen in der
Türkei- Politik Armeniens. Im Rahmen der Vorstöße
zur Trennung von der Sowjetunion versuchte Armenien mit der
Türkei und dem Iran Handelsbeziehungen aufzunehmen. Die
neue Perspektive kam auch in der im August 1990 veröffentlichten
Unabhängigkeitserklärung zum Wort. In der Erklärung
wurde der angebliche Völkermord wieder erwähnt,
jedoch von einem Anspruch auf Boden wurde nicht gesprochen.
Der
Zerfall der Sowjetunion gefährdete die Annäherung
in der sensiblen türkisch-armenischen Beziehungen. Dass,
die Türkei als erstes Land die Unabhängigkeit Aserbaidschans
anerkannte, beeinträchtigte ebenfalls diese Beziehungen.
Im
November 1992 besuchte eine Delegation der armenischen Regierung
die Türkei. Die Türkei hatte vier Bedingungen für
die Erweiterung der Beziehungen gestellt:
1.
Armenien muss die vorhandene Grenze zwischen der Türkei
und Armenien anerkennen,
2. Armenien muss seine internationale Propaganda, über
den angeblichen Völkermord von 1915 aufgeben,
3. Armenien darf sich nicht in die inneren Angelegenheiten
der Türkei einmischen (Dabei wurde insbesondere die Unterstützung
Armeniens für die PKK in Betracht genommen)
4. Armenien muss in Berg Karabagh mit den Bedingungen Aserbaidschans
einen Waffenstillstand annehmen.
Die
Parteien hatten sich über die ersten drei Artikel geeinigt
und die Energieminister beider Länder hatten sogar einen
Protokoll für den Stromverkauf aus der Türkei nach
Armenien unterzeichnet. Doch konnte der damalige türkische
Außenminister weder die Regierung Aserbaidschans noch
die Opposition in der Türkei, von der Bedeutung des Inhalts
dieses Protokolls überzeugen. Aus diesem Grund konnte
die Türkei das Protokoll nicht umsetzen. Dies war ein
großer Schlag für die armenische Regierung, die
unter Energiemangel litt. Wie bekannt, importiert Armenien
96 Prozent seines Energiebedarfs. Armenien importierte 80
Prozent seines Erdgasbedarfes aus Aserbaidschan. Im Herbst
1991 stoppte Aserbaidschan jedoch die Erdgaslieferung nach
Armenien. Aus diesem Grund musste Armenien aus Türkmenistan
Erdgas kaufen. Die Erdgasleitung führt in Georgien durch
ein, früher Borcali, jetzt Marneuli genanntes Gebiet,
wo Aserbaidschaner leben. 1995 wurde die Rohrleitung mindesten
10 mal sabotiert.
Die
Öffnung des türkischen Flugraums für Flüge
nach Armenien wurde als ein Versuch zur Erstellung eines Gleichgewichtes,
im Gegensatz zu ihren Hilfen für Aserbaidschan bewertet.
Während
die Weltöffentlichkeit mit dem russischen Angriff in
Tschetschenien beschäftigt war, übte der Staatspräsident
Levon Ter-Petrosyan eine politische Säuberungsaktivität
aus, nachdem er sich von dem Berg Karabagh- Ausschuss trennte
und die Führung der Armenischen- Nationalen- Volksbewegung
übernahm. Wie bekannt, befahl Gorbatschow die Verhaftung
der 11 Mitglieder des Berg Karabagh Ausschusses, unter welchem
sich auch Levon Ter-Petrosyan befand.
Am
28 Dezember 1994 verbot Levon Ter-Petrosyan mit einem einzigen
Befehl die Aktivitäten der "Daschnaksutyun- Partei",
die als die Armenische- Revolutionäre- Föderation
bekannt war. Außerdem ließ er viele Organisationen
und Zeitungen der Daschnaksutyun- Partei schließen.
Nach
seiner politischen Säuberungsaktivität sagte Ter-Petrosyan
im Fernsehen, dass die Daschnaksutyun Partei in Drogenschmuggel
verwickelt gewesen war, dass diese Partei politisch motivierte
Morde verwirklichte und 50 Mitglieder der terroristischen
Organisation DRO aufgenommen hatte. Er teilte ferner mit,
dass die DRO eine Gefahr für die Staatssicherheit sei,
und dass die DRO- Spionage Aktivitäten gegen geheime
Information der Streitkräfte führte.
Diese
Initiativen von Ter-Petrosyan waren keine Überraschung.
Er führte seit langer Zeit einen Kampf gegen die Daschnaksutyun-
Partei. Zum Beispiel verbannte er im Juni 1992 erneut den
Führer dieser Partei, den Hrair Marukyan nach Griechenland.
Der
Parlamentssprecher Babken Ararksiyan, bekundete bei seiner
Bewertung der politischen Säuberungsaktivitäten
von Ter-Petrosyan, dass die Demonstrationen in der Führung
der Daschnaksutyun- Partei eine Gefahr für das Land seien.
Das
Verfassungsgericht verbot mit der Begründung, dass eine
politische Partei keine Zweigstellen im Ausland öffnen
und auch keine ausländischen Mitglieder in der Führung
haben kann, verbot die Aktivitäten der Daschnaksutyun-
Partei vorläufig. Obwohl die Führer der Partei Armenier
sind, haben die meisten von ihnen eine andere Staatsbürgerschaft.
Eine doppelte Staatsangehörigkeit ist bis heute in Armenien
nicht erlaubt. Die Daschnaksutyun- Partei hat viele armenische
Mitglieder, die in verschiedenen Ländern leben und auch
Zweigstellen in Ländern, wo Armenier leben. Die Parteizentrale
liegt in Athen.
Die
Daschnaksutyun ist nicht die einzige Partei, die nach dem
Zerfall der Sowjetunion nach Armenien zurückgekehrt ist.
"Ramgavar Azatakan" (Liberale Demokraten) kehrten
auch zurück. Diese Partei verfolgt eine mehr mittelmäßige
Linie. Die Daschnaksutyun- Partei ist mehr nationalistisch
eingestellt und stellt sich gegen viele Meinungen der Regierung.
Die
Daschnaksutyun Partei, deren Aktivitäten verboten wurden,
hatte zuvor die Absicht, als ein Teil der linken Parteien
bei den Wahlen teilzunehmen. Dieser Block kam aus Gruppen
zusammen, unter denen sich auch die Berg- Karabagh- Armenier-
Gruppe, die Union der Intellektuellen, die Union der Verfassungsrechtler
und die Erbensbewegung befanden. Aber der zentrale Wahlausschuss
hat dem linken Block die Teilnahme bei den Wahlen nicht erlaubt.
Auch die Monarchie Partei und die Partei der Armenischen Frauen
durften bei den Wahlen nicht teilnehmen.
Ter-Petrosyan
nahm an den Wahlen, zusammen mit 5 Partien, des "Republikanischen
Blocks" teil. Die Teilnahme der Bevölkerung an den
Wahlen lag bei rund 55 Prozent. Der republikanische Block
gewann 114 Sitze und damit auch die Mehrzahl im Parlament.
Die Schamiran- Frauenbewegung erreichte den zweiten Platz.
Die Armenische Kommunistische Partei hat den von ihr erwarteten
Erfolg nicht erreicht. Der Stellvertretende Staatspräsident
Gagik Harutunyan, teilte bei seiner Erklärung über
die Erfolglosigkeit der radikalen nationalen Front mit, dass
diese Parteien kein gutes Programm hatten und auch egoistisch
gehandelt haben. Aber die Umfragen vor den Wahlen zeigten
auf einen mindesten 20 prozentigen Anteil für die Kommunisten
an der Regierung.
Armenien
befindet sich zur Zeit in einem der schlechtesten Perioden
seiner Geschichte. Das Volk ist in Armut. Der Mindestlohn
der Rentner liegt unter einem Dollar. Nach den Zahlen des
Staatlichen Institutes für Statistik, beträgt das
durchschnittliche Einkommen ca. 2,5 Dollar. Auf der anderen
Seite deuten die Zahlen des Zentralen Wahlausschusses für
die Jahre 1991-1994 daraufhin, dass die Zahl der Bevölkerung
in den letzten 3 Jahren um 30 Prozent gesunken ist. Das heißt,
seit 1993 haben ca 1 Millionen Armenier das Land verlassen.
Die Armenier in Berg Karabagh fliehen. Die Zahl der nach Russland
und in den Westen ausreisenden Armenier nimmt zu. Nach den
Worten von Georg Pogosyan, Vorsitzender des Armenischen Institutes
für Soziologische Forschungen sind 70 Prozent der Bevölkerung
Armeniens potentielle Aussiedler. Diese Tatsache hat seine
eigenen sozialen und politischen Gründe. Armenische Zeitungen
haben die Resultate einer soziologischen Forschung unter den
Aussiedlern zwischen 1993-1994 durchgeführt und veröffentlicht.
45 Prozent der Teilnehmer beschwerten sich über die Handlungsweise
der Polizei und der selben Ämter, 24 Prozent wiesen auf
soziale-ökonomische Gründe hin und 12 Prozent meinte,
dass sie das Land verlassen haben, weil eine Gelegenheit für
freien Handel nicht vorhanden war.
Das
von Armenien in Berg Karabagh und teilweise auch in Aserbaidschan
geführter Krieg und das Embargo der Türkei und Aserbaidschans
wegen des Krieges, hat eine negative Wirkung auf das Leben
im Land.
Armenien
versucht seine Beziehungen mit seinen Nachbarn, insbesondere
mit Georgien, sowie als auch mit Russland und dem Iran zu
verbessern. Die Zusammenarbeit zwischen Russland und Armenien
zeigt sich fast auf allen Gebieten.
Obwohl
der Kalte- Krieg vorbei ist, wird der geopolitische Krieg
noch fortgeführt. Wegen der Schwächung Russlands,
der Arbeiten der westlichen Ölkonzerne im kaspischen
Becken und der Zunahme nationalistischer Bewegungen bildet
sich im kaspischen Becken ein besonderes internationales System.
Es
ist kein Zufall, dass der russische Verteidigungsminister
Grachov, anstatt der Front, Armenien und Georgien besuchte,
während die russische Armee einen Angriff auf die strategischen
Punkte in Tschetschenien, nämlich Argun, Schali und Gudarmes
verübte. Grachov besuchte, sowohl die russischen Truppen
in den hiesigen Ländern führte, auch militärische
Zusammenarbeitsgespräche mit den Regierungen dieser Länder.
Es ist an dieser Stelle in Erinnerung zu bringen, dass Russland
während seines Angriffes auf Tschetschenien von seinen
Militärstützpunkten in Armenien und Georgien Gebrauch
machte. Der Vertrag zu den russischen Militärstützpunkten
in Armenien wurde im März 1995 erneut unterschrieben.
Obwohl
in Russland ein gewisser Hass, gegen die Völker der Kaukasus-
Region herrscht, sehen einige radikale nationalistische russische
Organisationen Armenien als einen wichtigen Verbündeten.
Radikale nationalistische Russen betrachten Armenien als ein
antitürkisches und anti-islamisches Schutzschild. Armenien
ist ein Mittel für Russland um die Türkei aus dem
Kaukasus und aus Aserbaidschan zurückzuhalten.
Armenien
muss den ersten Schritt machen, um seine Probleme mit seinen
Nachbarn zu lösen, insbesondere, die mit der Türkei
und Aserbaidschan. Bewaffnete armenische Banden müssen
die besetzten Territorien Aserbaidschans verlassen und das
Berg Karabagh- Problem muss im Rahmen der territorialen Integrität
Aserbaidschans gelöst werden. Die heutige Situation ist
weit entfernt von einem sogenannten "Recht auf Selbstdetermination".
Die Armenier bezeichnen Karabagh nicht nur als ihr eigenes
Land, sondern bezeichnen es auch als "Drittes Armenien".
Der Artikel von Levon Schrinyan, der in der Zeitung Azatamar
erschien, ist ein gutes Beispiel hierfür. Schrinyan behauptet,
dass in der Umgebung von Armenien 20 Millionen Kurden mir
der Idee zur Gründung eines Nationalen Staates leben,
und dass es in der Zukunft zu weiteren und schlimmeren Vorfällen
kommen wird. Es ist nicht möglich mit solchen Gereden
zu einem Ergebnis zu kommen. Die Erfahrungen der Vergangenheit
zeigen, dass auf Hass beruhende Politik nichts bringt und
auch in der Zukunft nichts bringen wird. Aus diesem Grund
muss Armenien mit gesundem Menschenverstand handeln und Beitrag
zu der Stabilität leisten.
Die
Türkei liegt im Fokus der Welt und ist ein Stabilitätsfaktor
im Gebiet. Die Pravda Zeitung, deutete darauf hin, dass die
Länder, die Interesse am Kaukasus und in Zentralasien
haben, sowohl den Iran als auch die Türkei berücksichtigen
müssen. Nach der Pravda ist die Türkei mit ihren
Möglichkeiten für Investitionen, ihrer modernen
Technologie, ihrem säkularen System ein Vorbild für
die Staaten des Kaukasus und Zentralasiens. Insbesondere nach
dem Zerfall der Sowjetunion seien viele westliche Staaten
sich nun der neuen geopolitischen Lage und der wichtigen Rolle
der Türkei bewusst.
Nach
der Financial Times Zeitung bewerten die westlichen Staaten
die Türkei als ein Politischen- und Handelszentrum im
Osten des Mittelmeers, als einen Stabilitätsfaktor in
Kaukasien und Zentralasien. Alle europäischen Staaten
und die USA bewerteten die Türkei als eine "Regionale
Macht" und ein "Säkulares Demokratisches Model".
Der Financial Times nach ist die Türkei ein Stabilitätselement
von der Balkan- Region bis zum Kaukasus, vom Nahen Osten bis
Zentralasien.