Die,
hier mit Alter und Geschlecht aufgeführten, Skelette
hatten eine interessante Gemeinsamkeit. Alle hatten am Schädel
durch scharfe Gegenstände verursachte Schlagspuren. Es
war offensichtlich, dass sie durch Folter ermordet wurden.
I.
Schnittspuren am Schädel:
Nr. 1) Weiblich: Auf dem Schädel sind zwei Spalten
vorhanden, die durch einen scharfen Gegenstand verursacht
worden sind. Die Erste befindet sich am rechten Scheitelbein
und ist 4 mm lang. Die Zweite befindet sich wieder am rechten
Scheitelbein, am Hinterkopf und ist 36 mm lang. Es ist festzustellen,
dass sie infolge der Hiebe, die auf das Gehirn trafen, am
Tatort gestorben ist.
Nr.
2) Weiblich: Es wurden vier Schnittspuren auf dem Schädel
festgestellt. Die Erste befindet sich am linken Scheitelbein
und ist 95 mm lang. Der scharfe Gegenstand drang durch den
Schädel bis ins Gehirn. Die zweite Spalte befindet am
Scheitelbein. Der scharfe Gegenstand (evt. eine Axt) traf
von oben auf den Schädel und zerschmetterte ihn und auch
mit großer Wahrscheinlichkeit das Gehirn. Ein solcher
Hieb genügt, das Opfer auf der Stelle zu töten.
Der dritte Hieb traf wieder auf das linke Scheitelbein, etwa
12 mm hinter der ersten Hiebstelle. Die Spalte ist 48 mm lang
und 19 mm breit. Der Ausschnitt hat die Form eines Weberschiffchens.
Der vierte Schlag auf den Schädel ist in der selben Richtung,
wie der Dritte und liegt sofort hinter ihm. Die Hälfte
der Spalte befindet sich an dem Hinterhauptsbein.
Nr.
3) Männlich (Abb. 2a): Dieser Schädel hat die
meisten Schnittspuren. Der erste Hieb traf auf das linke Ohr,
der scharfe Gegenstand riss den mastoiden Vorsprung vollständig
ab und strich leicht am Hinterhauptsbein vorbei. Der zweite
Schlag traf das linke Auge und hinterließ am Stirnbein
eine tiefe Spur. Die 75 mm lange dritte Wunde wurde am linken
Scheitelbein festgestellt. Der scharfe Gegenstand drang ins
Gehirn und verursachte eine Spalte vom linken Scheitelbein
bis zur Sutura lambdoidalis. (Abb. 2b) Durch die Wucht des
Hiebes entstanden Risse am Schädel. Der vierte Hieb auf
den Schädel schnitt in die sagitale Naht. Der Schnitt
ist 48 mm lang. Der fünfte Schlag traf horizontal und
brach das rechte Scheitelbein in der Nähe der sagitalen
Naht ab. Der scharfe Gegenstand traf auch auf das linke Jochbein
und schnitt in diesem Gebiet das Jochbein und einen Teil des
Oberkiefers. Die Person wurde nachfolgend verbrannt.
Nr.
4) Männlich (Abb. 3): Auf das Gehirn wurden mit einem
scharfen Gegenstand drei Schläge ausgeübt. Der Erste
traf senkrecht auf das rechte Scheitelbein und ist eine Schnittwunde
von 37 mm Länge. Der Zweite ist eine Spalte auf dem linken
Scheitelbein und hat eine Schnittlänge von 92 mm. Der
Dritte traf wieder das linke Scheitelbein und verursachte
eine 49 mm lange und 21 mm breite Spalte. Der scharfe Gegenstand
hat die tabula Externa abgeschabt. Diese direkten Schläge
auf den Kopf töteten die Person auf der Stelle. Auch
diese Person wurde wie die vorige Person verbrannt.
Nr.
5) Weiblich (Abb. 4): Es wurden vier Schnittspuren am
Schädel festgestellt. Die Erste befindet sich am Stirnbein
und ist eine nicht sehr tiefe Wunde mit 28 mm Länge.
Die Zweite befindet sich auf dem Schädel am Scheitelbein
und ist eine 77 mm lange und ziemlich tiefe Wunde. Allein
sie genügt die Frau auf der Stelle zu töten. Der
dritte Hieb ist auch tödlich und traf auf das rechte
Ohr. Er schnitt den mastoiden Vorsprung ganz und das Kondyl
der Unterkiefer teilweise ab. Die vierte Schnittspur ist auf
dem Oberkiefer rechts, im alveolaren Teil. Der scharfe Gegenstand
schnitt nicht nur in den Knochen ein, sondern zerstörte
auch die Krone des zweiten kleinen Eckzahns.
Nr.
6) Männlich (Abb 5): Ein Erwachsener mit vier Spalten
auf dem Schädel. Die Erste ist 57 mm lang und 14 mm breit,
ziemlich tief und befindet sich am linken Scheitelbein. Hier
drang der scharfe Gegenstand in das Gehirn ein. Vor der Spalte,
auf der Seite der sagitalen Naht befindet sich eine Schnittspur
mit 23 mm Länge. Die zweite Schlagspur ist am rechten
Scheitelbein und in der Mitte der Sagitalnaht. Diese 29 mm
lange und 28 mm breite Spur wird waagerecht von diagonal zwei
separaten Spalten gekreuzt. Die Erste davon ist 43 mm, und
die Zweite 42 mm lang. Der dritte Schlag traf auf das rechte
Scheitelbein und befindet sich ein paar mm vor der Scheitelbeinöffnung
und reicht diagonal weiter. Der vierte Schlag kam nicht von
einem scharfen, sondern von einem spitzen Gegenstand. Dieser
traf in die Nähe der Sagitalnaht des männlichen
Schädels, wahrscheinlich wurde er auf dieser Weise gefoltert.
Nr.
7) Männlich (Abb 6): Es wurde auf diesen Schädel
5 separate Hiebe mit einem scharfen Gegenstand ausgeübt.
Der erste traf auf die Zone des linken Ohres. Die Angriffswaffe
schnitt den mastoiden Vorsprung ganz ab, sie schnitt sogar
in die Wurzel des Jochbeins. Auf die Wurzel des linken Ohres
trafen hintereinander zwei Hiebe. Die Person starb auf Grund
dieser Hiebe sofort. Die zweite Schnittspur ist in der Nähe
der Lambdanaht am rechten Scheitelbein. Die teilweise waagerechte
Spalte ist 41 mm lang. Die dritte Schnittspur befindet sich
zwischen den beiden Lambdanähten am Hinterhauptsbein
und ist 44 mm lang. Die fünfte Schnittspur ist auf dem
Hinterkopf und misst 53 mm in Länge.
Nr.
8) Weiblich: Diese junge Frau starb in ihrem etwa 15.
Lebensjahr und hat drei Schnittspuren auf dem Schädel.
Die Erste befindet sich am rechten Scheitelbein, ist 50 mm
lang und ragt tief in das Gehirn hinein. Die zweite Schnittspur
steht rechteckig zur ersten und ist 20 mm lang. Die dritte
Spalte befindet sich auf dem Hinterkopf. Diese junge Frau
wurde später auch verbrannt.
Nr.
9) Weiblich: Diese junge Frau starb mit 17-19 Jahren.
Auf den erhaltenen Teilen des Schädels befinden sich
keine Schlagspuren. Ein wesentlicher Teil des Hinterhauptsbeins
ist abgebrochen und verlorengegangen. Über die Todesursache
kann keine Aussage gemacht werden.
II.
Rassenbestimmung auf den Skeletten:
Die
Rasse kann durch den Schädel, durch Maß, Indiz
und morphologische Beobachtung bestimmt werden. Jedoch ist
nicht zu vergessen, dass in jeder Rasse Variationen vorhanden
sind. Nach der Methode der Anthropometrietechnik wurden die
Skelette aus der Cavusoglu-Scheune untersucht. Demnach wurden
bei 8 Schädel die Schädelindizien, die Merkmale
für die Rasse sind, berechnet. Die berechneten Werte
sind zwischen 76 und 89. Somit waren vier Individuen in die
Mesozephale, die anderen in die brachizephale Gruppe einzustufen.
Auf keinem Schädel wurde die dolickozephale Struktur
gefunden. In Anatolien ist der Typ der Alpin- Rasse sehr verbreitet
und wie bekannt, beinhaltet sie den brachizephale, sowie den
mesozephalen Typus. Außer einem einzigen gehören
alle Skelette der Alpin- Rasse an. Man kann behaupten, dass
die anatolischen Türken überwiegend der Alpin- Rasse
angehören. Die 17-19 jährige junge Frau gehört
nicht in diese Rasse. Sie gehört der armenoiden Variation
der dinarischen Rasse an.
Bei
der Betrachtung der Längen wurden die Regressiongleichungen
von Trotter und Gleser verwendet. Bei drei Frauen wurden die
Werte 152,9 cm, 159,2 cm und 168,2 cm berechnet. Bei drei
Männern wurden 170,1 cm, 172,4 cm und 173,5 cm berechnet.
Bei
den Skeletten in der Cavusoglu- Scheune wurde ein Hemdenknopf,
ein scharfes Eisenstück und ein Teil eines Oberkiefers
gefunden. Nach den Angaben von Prof. Dr. Ilter Uzel von der
Medizinischen Akademie Gülhane gehört das Fragment
der oberen Totalprothese dem rechts hinteren Abschnitt an.
Die Prothese ist aus Gummi und die Zähne aus Porzellan.
Prothesen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts von reichen
Personen verwendet. Die Nikotinflecken auf der Prothese lassen
vermuten, dass sie einem Mann gehört. Diese Art von Porzellan
war zwischen 1915-1925 benutzt worden. Es gehört zu den
Produkten der Firma SSN (USA). Damit konnte festgestellt werden,
wann das Skeletts gelebt haben könnte.
III.
Die Wunden auf den langen Knochen:
Obwohl
auf den Schädel sehr viele Schnittspuren gefunden worden
sind, befinden sich an den Armen, Beinen oder an anderen Stellen
des Körpers fast keine Spuren. Natürlich zielt man
direkt auf den Schädel bzw. auf das Gehirn, wenn man
jemanden töten möchte.
Am Oberarmbein eines Erwachsenen befinden sich 3 Schnittspuren.
Am Knochen sind Brandspuren zu erkennen.
Am
Schienbein einer Frau befindet sich auf der vorderen Seite
eine tiefe Schnittwunde.
Am
rechten Schienbein eines Mannes wurde in der Nähe des
unteren Teils wieder eine ziemlich tiefe Schnittwunde festgestellt.
IV.
Schlussfolgerung und Bewertung:
Die
durch einen Zufall in der Cavusoglu- Scheune (Bezirk Ercis)
gefundenen und einer ausführlichen anthropologischen
Untersuchung unterzogenen Skeletts gehören überwiegend
jungen Personen, die gewissenhaft ermordet und teilweise auch
verbrannt wurden. Der grausame Angriff und die Folter, der
diese Personen, mit großer Wahrscheinlichkeit Türken,
da es vom Rassentypus, vorwiegend Alpine sind, ausgesetzt
waren, unterstützen die Aussagen von Augenzeugen. Es
hat sich herausgestellt, dass nicht die Armenier, sondern
die Türken in Massen ermordet wurden.
Prof.
Dr. Metin ÖZBEK, Anthropologe