Die
Organisation des Hindschak- Komitees (Glockenschlag) wurde
von Avedis Nazarbelg, einem russischen Staatsangehörigen
armenischer Herkunft aus dem Kauskasus und seiner Frau Maro,
sowie von anderen Studenten aus dem Gebiet Kaukasus im Jahre
1886 in der Schweiz gegründet. Um die Ideen des Komitees
zu verbreiten, wurde wieder unter dem Namen Hindschak eine
Zeitung herausgegeben. Die Führer, sowie die Mitglieder
dieses Komitees waren Armenier, die die russische Staatsangehörigkeit
hatten. Dieses Komitee suchte sich als Arbeitsgebiet Ostanatolien
aus. Nach einer Weile zog die Zentrale des Komitees von der
Schweiz nach Londan um.
Das
Programm der Partei Hindschak ist sozialistisch, marxistisch
und zentralistisch gerichtet. Grundsätzlich sind die
Ideen von Karl Marx übernommen worden. Obwohl sich die
Mitglieder dieses Komitees sozialdemokratisch bezeichnen,
ist das politische Programm des Komitees vielmehr ein kommunistisches
Manifest. Das Komitee nahm im Jahre 1890 eine Hauptfiliale
in Istanbul, sowie weitere Filialen in weiteren türkischen
Provinzen in Betrieb. Auf dieser Weise gelang es den Mitgliedern
sich zu organisieren und ihre Aktivitäten durchzuführen.
Grundsätzliches politisches Ziel dieses Komitees ist
die Befreiung der in der Türkei lebenden Armenier von
den Türken, die im Iran lebenden Armenier von Iranern
und die in Russland lebenden Armenier von Russen. Anschließend
sollen alle, die in diesen Ländern lebenden Kapitalisten
vernichtet werden.
DAS
PROGRAMM
Die
Arbeiter und produzierende Klasse bilden die Mehrheit der
ganzen Menschen. Die Befreiung dieser Klasse von der Ausbeutung
der herrschenden und reichen Klasse, die das Kapital besitzen,
kann nur dann realisiert werden, wenn die arbeitende bzw.
produzierende Klasse die Produktionsinstrumente und -Mittel,
den Boden, Fabriken, Bergbau, Förderungsmittel in ihrer
eigenen Macht haben. Die Unabhängigkeit der produzierenden
Klasse bedeutet die Befreinung der ganzen Menschen und des
wirtschaftlichen Wohlstands.
Um dieses Vorhaben zu realisieren und praktisch durchführen
zu können, muss sich die produzierende Klasse in allen
zivilisierten Ländern organisieren und ihre unterliegenden
politischen Möglichkeiten in Bewegung setzen und zusammen
mit den sich anderen Ländern befindenen produzierenden
Klassen die kommunistische Revolution unternehmen. Dadurch
werden andere Klassen beseitigt bzw. aufgelöst und die
produzierende Klasse kann die sozialistische Ordnung gewährleisten.
Unter dieser Ordunung kann das Volk seine eigenen Gesetze
in Kraft treten lassen und seine Macht zeigen.
(...)
Heutzutage
werden die Armenier von Klassen beherrscht und verwaltet,
die dem Absolutismus unterliegen. Die Systeme dieser Klassen
in Bereichen wie Finanz-, Verwaltungs- und Steuerwesen sind
vernichtend für sie. Um sie herum herrscht einerseits
die kapitalistische Produktionsart und andererseits wird,
die alte Wirtschaftsform und Verwaltungsart aufgelöst.
Unter
der Einwirkung all dieser Bedingungen ist die Gewährleistung
eines sozialistischen Systems, welches die armenischen Sozialdemokraten
und andere Armenier umfassen soll, ein sehr weit entferntliegendes
Ziel. Aus diesem Grund sollten alle Tendenzen und Bemühungen
einem nahgelegenen Ziel dienen. Dieses nähere Ziel führte
zur Gründung der sozialdemokratischen und revolutionären
Hindschak Partei der Armenier. Diese näheren Ziele sind
die folgenden:
a.
Einleitung einer Revolution
b.
Vernichtung der herrschenden Klassen und der absoluten Regierung
c.
Befreiung der Armenier vom Sklaventum
d.
Ermächtigung der Armenier, damit sie sich in politische
Angelegenheiten einmischen können.
e.
Beseitigung der Hindernisse, die die Entwicklungen im kulturellen
und wirtschaftlichen Bereichen stören.
f.
Gewährleistung einer Atmosphäre, in der die Arbeiterklasse
ihre Wünsche und Neigungen offen zur Sprache bringen
kann.
g.
Verbesserung der schweren Arbeitsbedingungen.
h.
Gewährleistung von politischen Informationen, damit sich
die Arbeiterklasse politisch organisieren kann.
i.
Erleichterung der Arbeiten des Volkes. Unterstützung
des Volkes für die Erreichung der weit entfernt liegenden
Ziele.
Entprechend
dieser Ideen, sind die nahen Ziele des Hindschak- Komitees
der Sturz der absoluten Regierungsform und Klassen, die Umwandlung
dieser Regime zu demokratischen und konstitunellen Regierungen.
Die Hauptforderungen für diese Ziele sind die folgenden:
a.
Um das Volk vertreten zu können, werden Wahlen, an denen
sich alle Schichten beteiligen, veranstalltet und ein legislatives
Parlament gegründet. Dieses Parlament muss über
Urteilsrecht in politischen, wirtschaftlichen und allen anderen
staatlichen Angelengenheiten verfügen.
b.
Den Provinzen ist eine breite Autonomie zu gewährleisten.
c.
Dem Volk ist eine bedingungslose Freiheit zu gewährleisten.
d.
Das Volk muss das Recht haben, jeden Regierungsbeamten,jedes
Dienstleistungspersonal im öffentlichen Bereich, Sicherheitsbeamten,
sowie Beamten im Bereich des Bildungs- und Juztiswesen frei
wählen zu können.
e.
Ohne Unterschiede in der nationalen und klassischen Herkunft
zu machen, muss jedem volljährigen Staatsbürger
das Recht gegeben werden, einen Vertreter für die Provinz-
und Autonomieregierungen wählen zu können.
f.
Alle Staatsbürger müssen vor dem Gesetz ohne Unterschiede
ihrer Nation oder Religion gleichberechtigt sein.
g.
Es müssen die Rechte auf Pressefreiheit, Meinungsäußerung,
Versammlung, Gründung von Vereinen sowie für den
Wahlkampf gewährleistet werden.
h.
Alle Staatsbürger und ihre Häuser müssen vor
Angriffen in Schutz genommen werden.
i.
Die Kirchen müssen von der Regierung getrennt werden.
Sämtliche religiöse Institutionen und Organisationen
müssen ihre Existenz durch Spenden und Unterstützungen
der, ihnen gebundenen Personen weiterführen.
j.
Das ganze Volk muss seinen Wehrdienst zur Zeiten des Friedens
als Milizsoldat leisten.
k.
Es muss eine laizistische Schulpflicht eingeführt werden.
Die Regierung muss die Armen unterstützen.
Da
sie die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Volkes
in sich enthalten, sind die obengenannten politischen Rechte
zu erwerben. Ferner sind die unten aufgeführten Bedingungen
zu erfüllen.
a.
Das gegenwärtige Steuersystem ist abzuschaffen. Anstelle
dessen ist ein fortschrittliches Steuersystem einzuführen,
das sich den Zahlungsmöglichkeiten anpasst.
b.
Indirekte Steuern müssen aufgehoben werden.
c.
Die Dorfbewohner müssen von sämtlichen Schulden
befreit werden.
d.
Durch die Unterstützung der Regierung und des Volkes
sind Landwirtschaftsmaschinen einzuführen. Der Gebrauch
dieser Maschinen ist zu lehren. Die Maschinen müssen
dem Volk übergeben werden.
e.
Unter dem Volk sind landwirtschaftliche Kooperationen zu bilden.
Das Ziel dieser Kooperationen muss sich nach der Verwaltung
des Verkaufs von landwirtschaftlichen Produkten, sowie dem
Kauf von Samen, Getreiden etc. richten.
f.
Für die Förderung und Kontakaufnahmen sind Mittel
zu beschaffen.
g.
Die Regierung muss den Arbeitern Hilfe leisten, damit sie
nicht ausgebeutet werden. Die Regierung muss zum Schutz der
Arbeiter Gesetze verabschieden.
Die
Mehrheit der Armenier sind türkische Armenier und sie
leben zum Großteil auf türkischen Territorien.
Das Anliegen der armenischen Mehrheit wurde mit dem Artikel
61 des Berliner- Abkommens sowie der Kraft der anderen internationalen
Bedingungen zu einem Recht und wurde von den großen
europäischen Staaten anerkannt.
Die
Unordnung der osmanischen Politik, Finanz und Wirtschaft,
die Auflösung des Imperiums, der Untergang, der Bankrott,
die Unruhen im Inland, sowie die Erschütterung des Staates
sowie die Einwirkungen europäischer Länder unterstützten
diese Faktoren. Die osmanischen Territorien in Europa wurden
systmatisch geteilt und von den Regierungen der europäischen
Staaten übernommen. Aus diesen Gründen wurde beschlossen,
die unten aufgeführten Maßnahmen zu treffen.
a.
Die Mitglieder der armenischen Komitees werden sich darum
bemühen, die gegenwärtigen Anliegen der Armenier
zu verteidigen und zu beenden.
b.
Aus diesem Grund wird das Arbeitsgebiet der Revolution die
Türkei sein, wo Armenier leben.
c.
Da die Zukunft der Armenier von der Zukunft der Osmanen getrennt
werden muss, ist die erste Bedingung für das nächste
Ziel der Armenier die armenische Unabhängigkeit.
Der
beste Weg für die Annäherung der Armenier an ihr
nächstes Ziel ist eine Revolution, welche die Ordnung
der türkischen Gebiete auf denen Armenier leben, durcheinanderbringt.
Mit einem allgemeinen Aufstand kann man der türkischen
Regierung den Krieg erklären. Die Mittel dieser Bestrebungen
sind:
a.
Propagandaführung unter den Arbeitern und dem Volk unter
Verwendung von Publikationen, Büchern und Reden. Verbreitung
der revolutionären Ideen der Partei Hindschak. Gründung
der revolutionären Organisationen unter dem Volk und
die Einleitung von Aufständen.
b.
Bestrafung der türkischen Agenten, Kommisare, Spione
und Verräter. Anwendung der terroristischen Methoden
und Mittel zur Verteidigung der revolutionären Organisationen
und zum Verhindern der Bemühungen der Volksfeinde.
c.
Um das Volk gegen die Angriffe der Regierungssoldaten und
Volksstämme zu verteidigen, wird eine bewaffnete Truppe
bereitgestellt und ein Angriffsregiment gebildet. Dieses Angriffsregiment
wird als führende Gruppe bei einem eventuellen Aufstand
beauftragt.
d.
Es wird eine allgemeine revolutionäre Organisation gegründet,
die aus vielen miteinander verbundenen Gruppen besteht und
in einer Einheit ihre Taten führen und die gleichen Taktiken
durchführen soll. Diese Organisation ist von einer Zentrale
aus zu leiten. Alle Mächte und Pflichten der sich in
der Türkei befindenen Organisationen unterliegen der
Satzung des Hindschak-Komitees, dessen Organisation, Handlungen
und Tätigkeiten in einer Verordnung aufgezählt sind.
e.
Es werden Zwischenfälle eingeleitet, um einen Aufstand
zu provozieren.
f.
Die Kriegserklärung bzw. Führung eines Staates gegenüber
der Türkei ist, die günstigste Bendingung für
den Erfolg eines Aufstandes.
g.
Es müssen Bestrebungen geleistet werden, um die auf türkischen
Territorien lebenden anderen Minderheiten, die das gleiche
Schicksal der Armenier teilen, auf unsere Seite zu ziehen.
Zusammen mit diesen Minderheiten sind Kriege gegen den gemeinsamen
Feind, und zwar gegen die türkische Regierung zu führen.
Das grösste Ziel der Organisation Hindschak ist die Gründung
einer Föderation, wie in der Schweiz, mit der Unterstützung
der anderen Minderheiten, zur Befreiung von der osmanischen
Unterdrückung.
Das
Hindschak-Komitee führte marxistische Propagandaaktivitäten,
die der Arbeiterklasse entsprach. Um Unruhungen anzustiften
und eine Revolution einzuleiten, haben sich die Jugendlichen,
religiöse Führer, Abenteurer und Arbeitlosen sehr
viel Mühe gegeben. Sie wollten sich unbedingt dem Komitee
anschließen und sich dort beschäftigen. Die Verwalter
des Komitees führten ihre Arbeiten im Sinne der Ideen
der Arbeiterklasse durch. Sie beabsichtigten eine armenisches
Proleterait zu schaffen. Diese Handlungen und Arbeiten des
Komitees sind den Lebensbedingungen der Türkei zufolge,
zu nie mehr als eine sozialistische Propaganda geworden. Die
vom Hindschak-Komitee unternommenen Aufstände wurden
von vielen Ländern, vor allem von Russland unterstützt
und ausländische begabte Kämpfer haben sich an solchen
Bewegungen beteiligt.
Die
unternommenen Taten und Aufstände der Armenier verursachten
im Land große blutige Ereignisse, die nicht wieder gut
gemacht werden können. Um die Organisationen des Hindschak-Komitees
zu gründen, kamen in Genf Schimavon aus Tibilisi, S.Danieljan
aus Iran, der russische Staatsangehörige Rupen Hanazat
aus Trabzon und H.Megavorjan aus Batumi zusammen. Nach langen
Diskussionen wurde das Zentrum des Hindschak-Komitees in Istanbul
gegründet. Dieser Organisation schlossen sich auch andere
in Istanbul vor dem Jahr 1890 gegründete revolutionäre
Organisationen an.
Wie
aus diesen Feststellungen zu entnehmen ist, war das Urteil
das Schicksal der in der Türkei lebenden Armenier den
russischen Armenier überlassen worden. Indessen wurden
diejenigen, die sich nicht dem Komitee anschlossen und keine
finanziellen Unterstüzungen leisteten, unterdrückt
bzw. ermordet. Die Organisationen haben sich sehr schnell
in anatolischen Provinzen verbreitet.
IHRE
TÄTIGKEITEN
Die
Verordnung und das Programm des Vereins- Hindschak wurde im
Jahre 1909 in Istanbul gedruckt. Diese Verordnung wurde gemäß
dem Vereinsgesetz dem Innenministerium vorgelegt. Die notwendigen
Vorgänge wurden durchgeführt. Am 8. Februar 1909
wurde der Zulassungsbescheid mit der Nummer 90 vom Regierungsbezirk
Istanbul ausgehändigt. Diese Verordnung besteht aus fünf
Teilen.
Die
beschlagnahmten Beschlussbücher des armenischen Hindschak-
Komitees der Jahre 1910, 1911, 1912 und 1913 enthielten folgende
gefasste Beschlüsse:
a.
Bemühungen zur Beschaffung von Waffen, Munition und Sprengstoff
werden geleistet.
b.
Ausbildung zum Erlernen des Waffengebrauchs werden vorgenommen
(Von Marufjan, Javrujan, Candan).
c.
Die Propagandas werden beschleunigt.
d.
Es werden Kontakte zu den Taschnak-Komitees aufgenommen.
e.
Es sollen Beziehungen mit den Anhängern der Partei für
Einheit und Fortschritt aufgebaut werden.
f.
Es werden Banden im Gebiet Van gegründet und geleitet
(diese sind: Orsfan, Cang, Godschnak, Juradschak, Penchak,
Badami, Tejohenk, Maro und Paros)
Das
Hindschak- Komitee veranstaltete am 24. Juli 1914 seinen dritten
Kongress in der Türkei. Bei diesem Kongress, an dem 28
Vertreter von 51 Filialen unter dem Vorsitz von Changüljan
und dem Sekretäriat von Tanchutjan teilnahmen, wurden
folgende Beschlüsse gefasst:
"Unter
Berücksichtigung der großen Verantwortung und den
dadurch möglichen Gefahren und für den Beweis, dass
wir zivilisierte Menschen sind, liegt der Erfolg unserer Ziele
in gut durchdachten Handlungen."
Daraufhin
fingen die Mitglieder des Hindschak-Komitees im Jahre 1896
an die Türkei zu verlassen. Unter den Mitgliedern dieses
Komitees kamen Konflikte auf und somit wurden Komitees geteilt.
Ein Teil nahm den Name "tatsächliche Hindschaks"
(Nazarbeg-Anhänger) der andere Teil hingegen den Namen
"Reformistische Hindschaks" (Veragasmijal Hindschak)
an. Diese beiden Gruppen wurden von einer Person Namens Erpijar
Arpiarjan geleitet.
Beide
Komitees richteten sich nicht nach einem Prinzip bzw. Programm,
sondern nach den Ideen und Haltungen ihrer Verwalter. Sie
waren auf ihren eigenen Vorteil bedacht und haben dies auch
verteidigt. Die Konflikte unter diesen Gruppen führten
zu Straßenkämpfe. Einige wurden geschlagen sogar
getötet.
Das
armenische Volk, das begriff, dass die Hindschaks marxistisch
gesinnt waren, haben die Ideen der Komiteemitglieder abgelehnt.
Die Kämpfe haben im Jahre 1902 an Intensität gewonnen.
Zahlreiche Komiteemitglieder, die Anhänger der beiden
Gruppen waren, wurden in Großbritannien, Russland, Ägypten,
Bulgarien, Kaukasus und Iran erschossen. Obwohl nach dem Aufstand
in Van einige kleine Banden den Namen Hindschak getragen haben,
waren diese nicht mehr tatkräftig. Bei der Auflösung
des Hindschak-Komitees spielten auch einige Hindschakführer
eine große Rolle, die das geheime Ziel Russlands erkannten.