DER ARMENISCHER TERROR - FORSNET
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  24 APRIL 1915
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HINDSCHAK

Die Organisation des Hindschak- Komitees (Glockenschlag) wurde von Avedis Nazarbelg, einem russischen Staatsangehörigen armenischer Herkunft aus dem Kauskasus und seiner Frau Maro, sowie von anderen Studenten aus dem Gebiet Kaukasus im Jahre 1886 in der Schweiz gegründet. Um die Ideen des Komitees zu verbreiten, wurde wieder unter dem Namen Hindschak eine Zeitung herausgegeben. Die Führer, sowie die Mitglieder dieses Komitees waren Armenier, die die russische Staatsangehörigkeit hatten. Dieses Komitee suchte sich als Arbeitsgebiet Ostanatolien aus. Nach einer Weile zog die Zentrale des Komitees von der Schweiz nach Londan um.

Das Programm der Partei Hindschak ist sozialistisch, marxistisch und zentralistisch gerichtet. Grundsätzlich sind die Ideen von Karl Marx übernommen worden. Obwohl sich die Mitglieder dieses Komitees sozialdemokratisch bezeichnen, ist das politische Programm des Komitees vielmehr ein kommunistisches Manifest. Das Komitee nahm im Jahre 1890 eine Hauptfiliale in Istanbul, sowie weitere Filialen in weiteren türkischen Provinzen in Betrieb. Auf dieser Weise gelang es den Mitgliedern sich zu organisieren und ihre Aktivitäten durchzuführen. Grundsätzliches politisches Ziel dieses Komitees ist die Befreiung der in der Türkei lebenden Armenier von den Türken, die im Iran lebenden Armenier von Iranern und die in Russland lebenden Armenier von Russen. Anschließend sollen alle, die in diesen Ländern lebenden Kapitalisten vernichtet werden.

DAS PROGRAMM

Die Arbeiter und produzierende Klasse bilden die Mehrheit der ganzen Menschen. Die Befreiung dieser Klasse von der Ausbeutung der herrschenden und reichen Klasse, die das Kapital besitzen, kann nur dann realisiert werden, wenn die arbeitende bzw. produzierende Klasse die Produktionsinstrumente und -Mittel, den Boden, Fabriken, Bergbau, Förderungsmittel in ihrer eigenen Macht haben. Die Unabhängigkeit der produzierenden Klasse bedeutet die Befreinung der ganzen Menschen und des wirtschaftlichen Wohlstands.


Um dieses Vorhaben zu realisieren und praktisch durchführen zu können, muss sich die produzierende Klasse in allen zivilisierten Ländern organisieren und ihre unterliegenden politischen Möglichkeiten in Bewegung setzen und zusammen mit den sich anderen Ländern befindenen produzierenden Klassen die kommunistische Revolution unternehmen. Dadurch werden andere Klassen beseitigt bzw. aufgelöst und die produzierende Klasse kann die sozialistische Ordnung gewährleisten. Unter dieser Ordunung kann das Volk seine eigenen Gesetze in Kraft treten lassen und seine Macht zeigen.

(...)

Heutzutage werden die Armenier von Klassen beherrscht und verwaltet, die dem Absolutismus unterliegen. Die Systeme dieser Klassen in Bereichen wie Finanz-, Verwaltungs- und Steuerwesen sind vernichtend für sie. Um sie herum herrscht einerseits die kapitalistische Produktionsart und andererseits wird, die alte Wirtschaftsform und Verwaltungsart aufgelöst.

Unter der Einwirkung all dieser Bedingungen ist die Gewährleistung eines sozialistischen Systems, welches die armenischen Sozialdemokraten und andere Armenier umfassen soll, ein sehr weit entferntliegendes Ziel. Aus diesem Grund sollten alle Tendenzen und Bemühungen einem nahgelegenen Ziel dienen. Dieses nähere Ziel führte zur Gründung der sozialdemokratischen und revolutionären Hindschak Partei der Armenier. Diese näheren Ziele sind die folgenden:

a. Einleitung einer Revolution

b. Vernichtung der herrschenden Klassen und der absoluten Regierung

c. Befreiung der Armenier vom Sklaventum

d. Ermächtigung der Armenier, damit sie sich in politische Angelegenheiten einmischen können.

e. Beseitigung der Hindernisse, die die Entwicklungen im kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen stören.

f. Gewährleistung einer Atmosphäre, in der die Arbeiterklasse ihre Wünsche und Neigungen offen zur Sprache bringen kann.

g. Verbesserung der schweren Arbeitsbedingungen.

h. Gewährleistung von politischen Informationen, damit sich die Arbeiterklasse politisch organisieren kann.

i. Erleichterung der Arbeiten des Volkes. Unterstützung des Volkes für die Erreichung der weit entfernt liegenden Ziele.

Entprechend dieser Ideen, sind die nahen Ziele des Hindschak- Komitees der Sturz der absoluten Regierungsform und Klassen, die Umwandlung dieser Regime zu demokratischen und konstitunellen Regierungen. Die Hauptforderungen für diese Ziele sind die folgenden:

a. Um das Volk vertreten zu können, werden Wahlen, an denen sich alle Schichten beteiligen, veranstalltet und ein legislatives Parlament gegründet. Dieses Parlament muss über Urteilsrecht in politischen, wirtschaftlichen und allen anderen staatlichen Angelengenheiten verfügen.

b. Den Provinzen ist eine breite Autonomie zu gewährleisten.

c. Dem Volk ist eine bedingungslose Freiheit zu gewährleisten.

d. Das Volk muss das Recht haben, jeden Regierungsbeamten,jedes Dienstleistungspersonal im öffentlichen Bereich, Sicherheitsbeamten, sowie Beamten im Bereich des Bildungs- und Juztiswesen frei wählen zu können.

e. Ohne Unterschiede in der nationalen und klassischen Herkunft zu machen, muss jedem volljährigen Staatsbürger das Recht gegeben werden, einen Vertreter für die Provinz- und Autonomieregierungen wählen zu können.

f. Alle Staatsbürger müssen vor dem Gesetz ohne Unterschiede ihrer Nation oder Religion gleichberechtigt sein.

g. Es müssen die Rechte auf Pressefreiheit, Meinungsäußerung, Versammlung, Gründung von Vereinen sowie für den Wahlkampf gewährleistet werden.

h. Alle Staatsbürger und ihre Häuser müssen vor Angriffen in Schutz genommen werden.

i. Die Kirchen müssen von der Regierung getrennt werden. Sämtliche religiöse Institutionen und Organisationen müssen ihre Existenz durch Spenden und Unterstützungen der, ihnen gebundenen Personen weiterführen.

j. Das ganze Volk muss seinen Wehrdienst zur Zeiten des Friedens als Milizsoldat leisten.

k. Es muss eine laizistische Schulpflicht eingeführt werden. Die Regierung muss die Armen unterstützen.

Da sie die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Volkes in sich enthalten, sind die obengenannten politischen Rechte zu erwerben. Ferner sind die unten aufgeführten Bedingungen zu erfüllen.

a. Das gegenwärtige Steuersystem ist abzuschaffen. Anstelle dessen ist ein fortschrittliches Steuersystem einzuführen, das sich den Zahlungsmöglichkeiten anpasst.

b. Indirekte Steuern müssen aufgehoben werden.

c. Die Dorfbewohner müssen von sämtlichen Schulden befreit werden.

d. Durch die Unterstützung der Regierung und des Volkes sind Landwirtschaftsmaschinen einzuführen. Der Gebrauch dieser Maschinen ist zu lehren. Die Maschinen müssen dem Volk übergeben werden.

e. Unter dem Volk sind landwirtschaftliche Kooperationen zu bilden. Das Ziel dieser Kooperationen muss sich nach der Verwaltung des Verkaufs von landwirtschaftlichen Produkten, sowie dem Kauf von Samen, Getreiden etc. richten.

f. Für die Förderung und Kontakaufnahmen sind Mittel zu beschaffen.

g. Die Regierung muss den Arbeitern Hilfe leisten, damit sie nicht ausgebeutet werden. Die Regierung muss zum Schutz der Arbeiter Gesetze verabschieden.

Die Mehrheit der Armenier sind türkische Armenier und sie leben zum Großteil auf türkischen Territorien. Das Anliegen der armenischen Mehrheit wurde mit dem Artikel 61 des Berliner- Abkommens sowie der Kraft der anderen internationalen Bedingungen zu einem Recht und wurde von den großen europäischen Staaten anerkannt.

Die Unordnung der osmanischen Politik, Finanz und Wirtschaft, die Auflösung des Imperiums, der Untergang, der Bankrott, die Unruhen im Inland, sowie die Erschütterung des Staates sowie die Einwirkungen europäischer Länder unterstützten diese Faktoren. Die osmanischen Territorien in Europa wurden systmatisch geteilt und von den Regierungen der europäischen Staaten übernommen. Aus diesen Gründen wurde beschlossen, die unten aufgeführten Maßnahmen zu treffen.

a. Die Mitglieder der armenischen Komitees werden sich darum bemühen, die gegenwärtigen Anliegen der Armenier zu verteidigen und zu beenden.

b. Aus diesem Grund wird das Arbeitsgebiet der Revolution die Türkei sein, wo Armenier leben.

c. Da die Zukunft der Armenier von der Zukunft der Osmanen getrennt werden muss, ist die erste Bedingung für das nächste Ziel der Armenier die armenische Unabhängigkeit.

Der beste Weg für die Annäherung der Armenier an ihr nächstes Ziel ist eine Revolution, welche die Ordnung der türkischen Gebiete auf denen Armenier leben, durcheinanderbringt. Mit einem allgemeinen Aufstand kann man der türkischen Regierung den Krieg erklären. Die Mittel dieser Bestrebungen sind:

a. Propagandaführung unter den Arbeitern und dem Volk unter Verwendung von Publikationen, Büchern und Reden. Verbreitung der revolutionären Ideen der Partei Hindschak. Gründung der revolutionären Organisationen unter dem Volk und die Einleitung von Aufständen.

b. Bestrafung der türkischen Agenten, Kommisare, Spione und Verräter. Anwendung der terroristischen Methoden und Mittel zur Verteidigung der revolutionären Organisationen und zum Verhindern der Bemühungen der Volksfeinde.

c. Um das Volk gegen die Angriffe der Regierungssoldaten und Volksstämme zu verteidigen, wird eine bewaffnete Truppe bereitgestellt und ein Angriffsregiment gebildet. Dieses Angriffsregiment wird als führende Gruppe bei einem eventuellen Aufstand beauftragt.

d. Es wird eine allgemeine revolutionäre Organisation gegründet, die aus vielen miteinander verbundenen Gruppen besteht und in einer Einheit ihre Taten führen und die gleichen Taktiken durchführen soll. Diese Organisation ist von einer Zentrale aus zu leiten. Alle Mächte und Pflichten der sich in der Türkei befindenen Organisationen unterliegen der Satzung des Hindschak-Komitees, dessen Organisation, Handlungen und Tätigkeiten in einer Verordnung aufgezählt sind.

e. Es werden Zwischenfälle eingeleitet, um einen Aufstand zu provozieren.

f. Die Kriegserklärung bzw. Führung eines Staates gegenüber der Türkei ist, die günstigste Bendingung für den Erfolg eines Aufstandes.

g. Es müssen Bestrebungen geleistet werden, um die auf türkischen Territorien lebenden anderen Minderheiten, die das gleiche Schicksal der Armenier teilen, auf unsere Seite zu ziehen. Zusammen mit diesen Minderheiten sind Kriege gegen den gemeinsamen Feind, und zwar gegen die türkische Regierung zu führen. Das grösste Ziel der Organisation Hindschak ist die Gründung einer Föderation, wie in der Schweiz, mit der Unterstützung der anderen Minderheiten, zur Befreiung von der osmanischen Unterdrückung.

Das Hindschak-Komitee führte marxistische Propagandaaktivitäten, die der Arbeiterklasse entsprach. Um Unruhungen anzustiften und eine Revolution einzuleiten, haben sich die Jugendlichen, religiöse Führer, Abenteurer und Arbeitlosen sehr viel Mühe gegeben. Sie wollten sich unbedingt dem Komitee anschließen und sich dort beschäftigen. Die Verwalter des Komitees führten ihre Arbeiten im Sinne der Ideen der Arbeiterklasse durch. Sie beabsichtigten eine armenisches Proleterait zu schaffen. Diese Handlungen und Arbeiten des Komitees sind den Lebensbedingungen der Türkei zufolge, zu nie mehr als eine sozialistische Propaganda geworden. Die vom Hindschak-Komitee unternommenen Aufstände wurden von vielen Ländern, vor allem von Russland unterstützt und ausländische begabte Kämpfer haben sich an solchen Bewegungen beteiligt.

Die unternommenen Taten und Aufstände der Armenier verursachten im Land große blutige Ereignisse, die nicht wieder gut gemacht werden können. Um die Organisationen des Hindschak-Komitees zu gründen, kamen in Genf Schimavon aus Tibilisi, S.Danieljan aus Iran, der russische Staatsangehörige Rupen Hanazat aus Trabzon und H.Megavorjan aus Batumi zusammen. Nach langen Diskussionen wurde das Zentrum des Hindschak-Komitees in Istanbul gegründet. Dieser Organisation schlossen sich auch andere in Istanbul vor dem Jahr 1890 gegründete revolutionäre Organisationen an.

Wie aus diesen Feststellungen zu entnehmen ist, war das Urteil das Schicksal der in der Türkei lebenden Armenier den russischen Armenier überlassen worden. Indessen wurden diejenigen, die sich nicht dem Komitee anschlossen und keine finanziellen Unterstüzungen leisteten, unterdrückt bzw. ermordet. Die Organisationen haben sich sehr schnell in anatolischen Provinzen verbreitet.

IHRE TÄTIGKEITEN

Die Verordnung und das Programm des Vereins- Hindschak wurde im Jahre 1909 in Istanbul gedruckt. Diese Verordnung wurde gemäß dem Vereinsgesetz dem Innenministerium vorgelegt. Die notwendigen Vorgänge wurden durchgeführt. Am 8. Februar 1909 wurde der Zulassungsbescheid mit der Nummer 90 vom Regierungsbezirk Istanbul ausgehändigt. Diese Verordnung besteht aus fünf Teilen.

Die beschlagnahmten Beschlussbücher des armenischen Hindschak- Komitees der Jahre 1910, 1911, 1912 und 1913 enthielten folgende gefasste Beschlüsse:

a. Bemühungen zur Beschaffung von Waffen, Munition und Sprengstoff werden geleistet.

b. Ausbildung zum Erlernen des Waffengebrauchs werden vorgenommen (Von Marufjan, Javrujan, Candan).

c. Die Propagandas werden beschleunigt.

d. Es werden Kontakte zu den Taschnak-Komitees aufgenommen.

e. Es sollen Beziehungen mit den Anhängern der Partei für Einheit und Fortschritt aufgebaut werden.

f. Es werden Banden im Gebiet Van gegründet und geleitet (diese sind: Orsfan, Cang, Godschnak, Juradschak, Penchak, Badami, Tejohenk, Maro und Paros)

Das Hindschak- Komitee veranstaltete am 24. Juli 1914 seinen dritten Kongress in der Türkei. Bei diesem Kongress, an dem 28 Vertreter von 51 Filialen unter dem Vorsitz von Changüljan und dem Sekretäriat von Tanchutjan teilnahmen, wurden folgende Beschlüsse gefasst:

"Unter Berücksichtigung der großen Verantwortung und den dadurch möglichen Gefahren und für den Beweis, dass wir zivilisierte Menschen sind, liegt der Erfolg unserer Ziele in gut durchdachten Handlungen."

Daraufhin fingen die Mitglieder des Hindschak-Komitees im Jahre 1896 an die Türkei zu verlassen. Unter den Mitgliedern dieses Komitees kamen Konflikte auf und somit wurden Komitees geteilt. Ein Teil nahm den Name "tatsächliche Hindschaks" (Nazarbeg-Anhänger) der andere Teil hingegen den Namen "Reformistische Hindschaks" (Veragasmijal Hindschak) an. Diese beiden Gruppen wurden von einer Person Namens Erpijar Arpiarjan geleitet.

Beide Komitees richteten sich nicht nach einem Prinzip bzw. Programm, sondern nach den Ideen und Haltungen ihrer Verwalter. Sie waren auf ihren eigenen Vorteil bedacht und haben dies auch verteidigt. Die Konflikte unter diesen Gruppen führten zu Straßenkämpfe. Einige wurden geschlagen sogar getötet.

Das armenische Volk, das begriff, dass die Hindschaks marxistisch gesinnt waren, haben die Ideen der Komiteemitglieder abgelehnt. Die Kämpfe haben im Jahre 1902 an Intensität gewonnen. Zahlreiche Komiteemitglieder, die Anhänger der beiden Gruppen waren, wurden in Großbritannien, Russland, Ägypten, Bulgarien, Kaukasus und Iran erschossen. Obwohl nach dem Aufstand in Van einige kleine Banden den Namen Hindschak getragen haben, waren diese nicht mehr tatkräftig. Bei der Auflösung des Hindschak-Komitees spielten auch einige Hindschakführer eine große Rolle, die das geheime Ziel Russlands erkannten.

QUELLE:
Sakarya, Ihsan: Belgelerle Ermeni Sorunu, Genelkurmay Askeri Tarih ve Stratejik Etüt Baskanligi Askeri Tarih Yayinlari, (Genelkurmay Basýmevi, Ankara, 1984, 2.Baski, S.76-87

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