Gleich
nach dem Ersten Weltkrieg besetzten alliierte Armeen Istanbul
und andere Gebiete im Osmanischen Reich. Die Engländer,
die zu den Besatzungsländern gehörten, nahmen mehrere
Hundert Personen fest, unter denen sich auch politische und
militärische Verantwortliche der Osmanischen Regierung,
sowie auch bekannte Intellektuelle befanden, mit der Behauptung,
dass sie bei armenischen Unruhen Kriegsverbrechen begangen,
vertrieben sie auf die Insel Malta und sperrten sie ein. Um
Beweise gegen diese verhafteten Personen oder gegen die Regierung
in Istanbul zu finden, wurden in den osmanischen Archiven
umfassende Untersuchungen durchgeführt, jedoch konnte
man keine Beweise vorlegen. Hilflos untersuchte die englische
Regierung auch die Berichte in englischen und amerikanischen
Regierungsarchiven und man kam trotzdem zu keinem Ergebnis.
In
einem Bericht, der im amerikanischen Archiv zu finden ist,
schrieb der englische Botschafter R.C. Craigie am 13. Juli
1921 an Lord Curzon folgendes:
"Es
tut mir leid es mitzuteilen, dass es keine Beweise gegen die
auf Malta verhafteten Türken gibt... Es gibt keinen einzigen
konkreten Vorfall, der einen genügenden Beweis dafür
bilden kann. Die erwähnten Berichte enthalten auf keinen
Fall weitere Beweismittel, welche die Informationen über
die Türken ergänzen können, über die die
Regierung Ihrer Majestät gerade verfügt." (1)
Die
Rechtsberater in London beschlossen am 23. Juli 1921, dass
die Beschuldigungen gegen die Personen auf der Liste des englischen
Außenministeriums zum Teil politischen Charakter haben,
und deshalb man gegen sie anders vorzugehen hatte als gegen
die Türken, die als Kriegsverbrecher verhaftet wurden.
Außerdem
gehören auch folgende Aussagen den Rechtsberatern der
englischen Regierung in London: "Bis jetzt sagte kein
einziger Zeuge aus, dass die Beschuldigungen gegen die verhafteten
Türken richtig sind. Eigentlich ist es auch nicht klar,
ob man gegen sie einen solchen Zeugen finden kann. Denn es
braucht hier nicht erwähnt zu werden, wie schwer es ist,
in einem Land wie Armenien, das so weit abgelegen und schwer
zu erreichen ist, einen Zeugen zu finden, besonders deswegen,
weil viel Zeit über die Vorfälle vergangen ist".
(2)
Am
Ende wurden die Türken, die auf Malta verhaftet waren,
im Jahre 1922 freigelassen, ohne jegliche Beschuldigung und
es fand auch keine Gerichtsverhandlung statt.
Im
Laufe dieses Prozesses erschienen in der englischen Presse
Berichte, die die Osmanische Regierung mit einem Völkermord
an Armeniern beschuldigte, sowie Dokumente, die angeblich
diese Behauptung beweisen sollten. Diese Dokumente seien in
osmanischen Regierungsanstalten in Syrien von englischen Besatzungskräften
unter der Kommandantur von General Allenby entdeckt worden.
Doch die später vom englischen Außenministerium
eingeleiteten Untersuchungen zeigten, dass es sich bei diesen
Dokumenten nicht um Dokumente handelte, die von der englischen
Armee sichergestellt worden waren. Es waren die gefälschten
Dokumente, die von der nationalistischen armenischen Delegation
in Paris an die verbündeten Delegationen übermittelt
worden waren.